Der Vermittler hatte Erfolg; doch der Streit wird anhalten, ob die Lohnerhöhung von 7,8 Prozent für die Chemiearbeiter (für zehn Monate nur) in den konjunkturpolitischen Datenkranz des Superministers Karl Schiller paßt und ob die chemische Industrie dies „verkraften“ kann (was sie Anfang des Jahres strikt in Abrede stellte).

Die Gewerkschaft und die Arbeitnehmer werden in dem Abschluß allerdings nur wenig mehr als den Ausgleich für die Preissteigerungen sehen. Denn Tariflohn ist nicht gleich Effektivlohn. Und daß die 7,8 Prozent voll auf die Effektivlöhne durchschlagen, ist angesichts der heutigen Lage höchst unwahrscheinlich. Ihr Trost: Die IG Chemie kann kaum mehr in die Rolle des Buhmannes für eine inflationäre Entwicklung gedrängt werden.

So bliebe das Fazit: Ende gut, alles gut – wie gehabt. Aber es bleibt noch der Streit, ob ein Streik ohne Urabstimmung, so wie ihn die IG Chemie geführt hat, rechtmäßig ist oder nicht. Bei dem großen Aufräumen nach der harten Auseinandersetzung ist die Versuchung groß, diese Frage unter den Teppich zu kehren, denn die Schadensersatzprozesse der Arbeitgeber sollen zurückgezogen werden. Ein Musterprozeß zur Klärung der Rechtslage ist jedoch auch nach der Einigung zulässig. Er muß geführt werden. hm