Dieter Blötz, Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes und ehemaliger Hauptgeschäftsführer der SPD in Hamburg, zeigte bei der Kanzler-Party, was er beim Geheimdienst gelernt hat. Als der einzige Zigaretten-Tisch leergeraucht war, drang Blötz mit Hilfe seines BND-Ausweises in den strengbewachten Büroflügel des Kanzleramtes ein und leerte den dortigen Zigaretten-Automaten. Außenminister Walter Scheel hatte sich damit beholfen, Autogramme gegen Zigaretten zu tauschen.

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Spätestens Ende dieser Woche wird Verkehrsminister Georg Leber wissen, welche organisatorischen und betrieblichen Maßnahmen er ergreifen muß, um einen geordneten Flugverkehr in der Bundesrepublik zu gewährleisten. Vielleicht wird die Öffentlichkeit dann auch erfahren, welchen Beitrag der einst als Wirtschaftwunderknabe Nr. 1 (so das US-Blatt Time vor Jahren) gefeierte und dann der Firmenpleite zum Opfer gefallene Unternehmer Willy H. Schlieker zur Lösung der entstehenden Flugprobleme beisteuerte. Schlieker ist nämlich Vorsitzender der „Kommission zur Beratung der Flugprobleme“. Georg Leber berief den Unternehmer ohne Unternehmen in dieses Amt und stellte ihm auch ein Büro in seinem Ministerium zur Verfügung. Warum ausgerechnet Schlieker zusammen mit Konsul und Einzelhändler Herbert H. Eck löh, dem Fluglotsenexperten Wolfgang Kassebohm und anderen Fachleuten in die Kommission berufen wurde, wurde in Bonn viel gerätselt. Kassebohm: „Ich will ungern dazu Stellung nehmen.“ Dafür bezog Lebers Pressereferent Hans-Peter Colditz Stellung: „Es war notwendig, einen völlig unabhängigen Mann zum Vorsitzenden zu ernennen.“ Colditz meinte, dafür sei weder ein Gewerkschaftler noch ein aktiver Unternehmer in Frage gekommen. Überdies bringe Schlieker das nötige Verhandlungsgeschick mit. „Das ist jemand, der sich nicht übers Ohr hauen läßt.“

In Lebers Haus hat die Berufung Schliekers bei den zuständigen Beamten in der Luftabteilung dennoch Befremden ausgelöst. Offiziell gibt das zwar niemand zu – „als Beamte müssen wir uns Zurückhaltung auferlegen. Aber schreiben Sie mal, daß hier einige sauer sind.“

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Hans Apel, SPD-MdB und Verkehrsexperte fand den Zwist zwischen Schiller und Leber wegen der Kfz-Steuer „albern“. Minister und Beamte würden allzuoft „vergessen, daß schließlich das Parlament das letzte Wort hat“. Andere SPD-Eingeweihte wieder meinen, Schiller seien Lebers Ausfälle sogar willkommen. Ein Spitzenfunktionär der Partei kommentierte den Vorgang: „Manchmal kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, als baue sich Schiller die Rolle eines Märtyrers auf. Es wird Zeit, daß er wieder mehr zur Partei findet. Die Stimmung war noch nie so schlecht.“