Die Grenze zwischen Indien und Ostpakistan bleibt der gefährlichste Krisenherd.

  • In Westbengalen ist die Cholera-Epidemie immer noch nicht eingedämmt. Den Ärzten gelingt es nicht, die Krankheit unter Kontrolle zu bekommen, weil der Flüchtlingsstrom aus Ostpakistan kaum vermindert anhält. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge beträgt nach indischen Angaben jetzt rund sechs Millionen Menschen, von denen etwa 3,5 Millionen in Lagern leben. Die indische Ministerpräsidentin hat auf die Kriegsgefahr hingewiesen, die durch das Vorgehen der pakistanischen Truppen an der indischen Grenze zu Ostpakistan immer akuter werde. Die Ministerpräsidentin betonte aber auch, daß Indien keinen Krieg wünsche und gegenwärtig auch keine ostpakistanische Exilregierung anerkennen werde. Die amerikanische Regierung hat beschlossen, wieder ökonomische Hilfe für Pakistan zu leisten. Sie würde damit gegen einen Beschluß des aus 12 Staaten bestehenden Konsortiums verstoßen, das mit der Stimme der USA beschlossen hatte, Pakistan solange nicht zu unterstützen, bis eine politische Lösung für den Ostteil des Landes gefunden worden ist.
  • Im Nahen Osten wurden die Versuche fortgesetzt, einen Weg aus der festgefahrenen politischen Situation zu finden. In der halbamtlichen Kairoer Zeitung „Al Ahram“ deutete deren Chefredakteur Heikal, der als Vertrauter Präsident Sadats gilt, an, daß sich Ägypten nicht mehr an die UN-Resolution von 1967 gebunden fühle. In der Resolution waren Israel und Ägypten aufgefordert worden, eine politische Lösung ihres Konflikts zu finden. Ägypten begann mit der Reorganisation der Staatspartei. 5,5 Millionen Parteimitglieder wählten ihre Vertreter für die „Grundeinheiten“, die wiederum die Führungsgremien der Partei wählen müssen. Der amerikanische Außenminister Rogers plant eine neue diplomatische Offensive im Nahen Osten.