In einem süddeutschen Werk der Dynamit Nobel AG schlugen die Wogen der Empörung hoch. Bei der Lohnzahlung vermißten die Arbeitnehmer 26 Mark in ihrer Lohntüte. Daraufhin traten sie erst einmal vorsorglich in den Streik. Es bedurfte zweistündiger Verhandlungen zwischen einem Vorstandsmitglied und einer Delegation der Streikenden, um eine Wiederaufnahme der Arbeit zu erreichen.

Was war passiert? Die Firma hatte – entsprechend den Bestimmungen des Tarifvertrages mit der IG Chemie – die vereinbarte vermögenswirksame Leistung von 26 Mark monatlich für jeden Arbeitnehmer auf ein Sparbuch überwiesen, damit die staatlichen Prämien in Anspruch genommen werden können. Der Betriebsrat hatte offensichtlich versäumt, rechtzeitig die Belegschaft von diesem Abzug zu unterrichten.

Ein Mißverständnis, nicht mehr. Aber abgesehen davon, wie schnell heute die Arbeiter zu einem wilden Streik bereit sind, zeigt der Vorgang, daß das bloße Vorhandensein eines Betriebsrates nicht ausreicht. Wenn die gewählten Vertreter der Arbeitnehmer keinen Kontakt zur „Basis“ halten und sie über betriebliche Vorgänge und tarifvertragliche Neuerungen informieren, haben sie ihre Aufgabe verfehlt. Sonst hätten die betroffenen Arbeitnehmer wissen müssen, daß das Fehlen dieses Betrages nur mit der vereinbarten Vermögensbildung zusammenhängen könne, mh