Gold aus Meerwasser wollten deutsche Wissenschaftler 1924 gewinnen, um die drückenden Kriegsschulden des Reichs schneller begleichen zu können. Doch schon bald erkannten die Ozean-Alchimisten, daß die Bergung des gelösten Schatzes (schätzungsweise zehn Millionen Tonnen) teurer würde, als das Edelmetall insgesamt wert ist.

Rund vierzig Jahre später versuchten Forscher abermals, ein kostbares Metall aus dem Ozeanwasser zu destillieren: Uran. Die Chancen standen günstiger, denn der – Anfang der sechziger Jahre – sehr gefragte Reaktorbrennstoff kommt fast tausendmal häufiger im Meerwasser vor als Gold. Ozeanologen errechneten eine Gesamtmenge von rund fünf Milliarden Tonnen Uran. Freilich enthalten 1000 Tonnen Wasser, ganze drei Gramm Uran – und mit der sinkenden Nachfrage sanken auch die Forschungsaufwendungen für die ozeanische Urangewinnung.

In den letzten Monaten jedoch erlebte die Diskussion um das Meeres-Uran ein unerwartetes Comeback. Die Ozeanologen Boström und Fisher entdeckten in Ablagerungen auf dem Ostpazifischen Rücken – einem Teil der weltumspannenden mittelozeanischen Gebirgsketten – ungewöhnlich hohe Urankonzentrationen.

Zwar löste der Fund bislang keine gesteigerten Aktivitäten bei den Unterwasser-Prospektoren aus: Noch immer läßt sich kontinentales Uranerz wesentlich billiger gewinnen. In Gelehrtenkreisen entfachte die Entdeckung jedoch eine heiße Diskussion um die Ursachen dieser Schwermetallanreicherung.

Jetzt glaubt der australische Erdwissenschaftler Herbert Veeh zusammen mit seinem schwedischen Kollegen Boström die mögliche Ursache der Urananhäufung gefunden zu haben. In dem Fachblatt "Earth and Planetary Science Letters" (Band 10, Seite 372) faßten die Forscher vor kurzem ihre neuen Kenntnisse zusammen.

Veeh und Boström glauben, daß die Urananreicherung von Tiefseesedimenten in den meisten Fällen eine Folge der gemeinsamen Ausfällung von Eisenverbindungen und Uran aus dem Meerwasser ist. Als Indiz dient ihnen das Mengenverhältnis der beiden Uran-Isotopen 234 und 238. Während die relative Häufigkeit von Uran-238 normalerweise bei etwa 99,3 Prozent liegt (Uran-234-Anteil am Gesamtvorkommen: 0,006 Prozent), ist das Verhältnis im Meerwasser beinahe umgekehrt – dort überwiegt das leichtere Uran-234 um durchschnittlich 15 Prozent.

Dieses Verhältnis fanden Forscher in fast allen Sedimentproben annähernd wieder – mit Ausnahme der Funde vom Ostpazifischen Rücken: Hier überwiegt der 234-U-Anteil um weitere sechs Prozent. Aufsteigende hydrothermale Flüssigkeiten in den vulkanisch aktiven unterseeischen Gebirgen bewirken – so Veeh und Boström – die ungewöhnliche Anreicherung. Uran-234 wird dabei bevorzugt aus den Wänden der Gesteinsspalten ausgelaugt.