Mit wem das Pferd nie durchgeht, der reitet einen hölzernen Gaul. Friedrich Hebbel

Intendantin des BE

Das Berliner Ensemble hat wieder eine Intendantin. Zwei Monate nach dem Tod der großen Prinzipalin Helene Weigel übernimmt jetzt Ruth Berghaus, seit September 1970 bereits als stellvertretende Intendantin tätig, die Leitung des Theaters am Schiffbauerdamm. Die vierundvierzigjährige Regisseurin und Ehefrau des Komponisten Paul Dessau, einst Schülerin der Choreographin Gret Palucca, von Brecht und Felsenstein, begann ihre Karriere beim Berliner Ensemble mit der Einstudierung der Schlachtszenen des „Coriolan“, arbeitete als Choreographin am Deutschen Theater, ging dann als Regisseurin an die Deutsche Staatsoper „Unter den Linden“ und kehrte zurück in das Theater am Schiffbauerdamm, wo sie unter anderem den „Vietnam-Diskurs“ von Peter Weiss, Brechts „Dickicht der Städte“ und vor wenigen Tagen Brechts „Gewehre der Frau Carrar“ inszenierte. Das Schicksal des 1949 von Bertolt Brecht gegründeten Berliner Ensembles bleibt also weiterhin in den Händen einer Frau.

Hildegard Knefs Erfolgsgalopp

Fünfzehn Jahre nach ihrem ersten großen Erfolg in Amerika, als sie fast 600 mal in dem Broadway-Musical „silk stockings“ in der Rolle der „Ninotschka“ auf der Bühne stand, feiert Hildegard Knef jetzt ihren zweiten großen Triumph in den USA: „Der geschenkte Gaul“, die Autobiographie des Berliner Kellerkindes, in der englischen Übersetzung von Ehemann David Cameron, wird von den Kritikern fast überschwenglich gelobt. Ihre Anerkennung geht soweit, daß sie versuchen, nicht mehr „Neff“ zu sagen, sondern Hildegard jetzt richtig Knef zu nennen. Die Autorin vermutet gerührt, daß die Vietnam-Erfahrung die Amerikaner auch aufgeschlossener für anderes Kriegs- und Nachkriegselend gemacht hat, von dessen deutscher Variante im „Geschenkten Gaul“ so anschaulich erzählt wird. Sogar Hollywoodist dieser Meinung: Es bemüht sich um die Filmrechte.

Preise für Johnson und Huchel

Der diesjährige Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung wurde Uwe Johnson verliehen. Im letzten Jahr erschien der erste Teil seines dreibändig angelegten Werkes „Jahrestage. Aus dem Leben der Gesine Cresspahl“. Den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik vergab die Akademie an den Schriftsteller Peter Huchel. Huchel hat erst zu Beginn dieses Jahres die Ausreiseerlaubnis aus der DDR erhalten, wo er nach dem Krieg zunächst als Sendeleiter des Ostberliner-Rundfunks, dann als Leiter der Zeitschrift „Sinn und Form“ tätig, war. Er lebt jetzt in Italien.