Der Hamburger Justizsenator Ernst Hansen ist am Wochenende von einem achttägigen Informationsbesuch aus Indien zurückgekehrt. In Gesprächen mit indischen Regierungsmitgliedern in Neu-Delhi und in Lagern an der indisch-pakistanischen. Grenze hatte er sich über die Situation der bengalischen Flüchtlinge und über die Arbeit der deutschen Hilfsorganisationen informiert.

"Sie haben die deutschen Helfer in den westbengalischen Flüchtlingslagern gesehen. Können sie einen wesentlichen Beitrag zur Linderung des Elends leisten?"

"Die deutschen Helfer werden von den Indern mit gemischten Gefühlen beobachtet. Die Meinung der Inder ist: Wir brauchen keine Helfer. Menschen haben wir genug. Wir haben zum Beispiel keinen Bedarf an Ärzten ohne Erfahrung mit Tropenkrankheiten. Wir wollen keine begeisterten jungen Leute mit glänzenden Augen, die nicht wissen, worauf es hier ankommt. Materielle Hilfe ist uns viel wichtiger. Auf der anderen Seite zeigt sich aber doch, daß jedenfalls einige unserer Helfer hervorragende Arbeit leisten.

"In Indien herrscht zur Zeit der Monsun?"

"Ja, die Flüchtlingslager bei Kalkutta und an der Grenze stehen nach jedem Regenguß teilweise bis zu einem halben Meter unter Wasser. Das Wasser wird benutzt zum Trinken, zum Waschen und außerdem als Toilette" Die Gefahren liegen auf der Hand."

"Dann wäre es also im Augenblick wichtiger, Techniker in die Lager zu entsenden, die Drainagen legen können?"

"Das ist die Auffassung der Inder. Ich habe aber Zweifel, ob sie richtig ist. Die deutschen Ärzte, die ich in einem Lager getroffen habe, sind; jedenfalls außerordentlich hilfreich, weil es dort keine indischen Ärzte gibt. Gemeinsam mit einigen Holländern halten sie den Gesundheitsbetrieb aufrecht. Die Ärzte haben langjährige Tropenerfahrung. Ich will allerdings nicht ausschließen, daß es in den Lagern auch deutsche Ärzte gibt, die keine Tropenerfahrung haben und infolgedessen beispielsweise gar keine richtigen Diagnosen stellen können."