"Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den indischen Behörden und den deutschen Hilfsorganisationen

"Das Flüchtlingsproblem stellte sich so plötzlich und in einem so ungeheuren Ausmaß, daß natürlich am Anfang alles drunter und drüber ging. Mein Eindruck ist, daß trotz dieser Schwierigkeiten die Kooperation und die Koordination erstaunlich gut funktioniert. Am Anfang ist sicher viel Sand im Getriebe gewesen, das läßt sich gar nicht abstreiten. Aber ich glaube, es wird besser."

"Welche materiellen Hilfeleistungen sind jetzt am notwendigsten?"

"Priorität Nummer eins hat jede Art von shelter, also Schutz gegen Regen von oben, gegen Feuchtigkeit von unten. Zeltplanen, Zelte, Plastikfolien und Wellbleche werden am dringendsten benötigt. Weiter fehlt es an Transportmitteln, wobei ich nicht an Krankenwagen denke, sondern an VW-Busse und Jeeps, die sowohl zum Kranken- als auch zum Lebensmitteltransport benutzt werden können."

Dabei ist im einzelnen durchaus noch zu klären, ob solche Güter hingeschafft werden sollen oder ob sie nicht viel billiger im Lande beschafft werden können. Daß wir also Geld geben, um beispielsweise Lastwagen indischer Produktion zu kaufen. Erstens sind die in der Regel billiger, zweitens spart man die Transportkosten und drittens sind sie schneller da."

"Welchen Eindruck hatten Sie von der Situation im Grenzgebiet?"

"Ich war wahrscheinlich der erste Deutsche, der in Bangla Desh, also im befreiten Gebiet Ostpakistans, war. Ich habe die Guerillatruppen dort in einem Hauptquartier einige Kilometer jenseits der indischen Grenze besucht. Es gibt in Ostbengalen erstens einen Grenzstreifen zu Indien hin, der im Durchschnitt etwa 10 Kilometer, manchmal 20 Kilometer, breit ist, und es gibt im Inneren einige Gebiete – alle in der Größenordnung zwischen 100 und 500 Quadratkilometern –, die unter der Herrschaft der Freiheitskämpfer stehen. Die pakistanische Armee kontrolliert im wesentlichen die Städte, die großen Dörfer und macht Patrouillenfahrten durchs Land, aber sie ist nicht in der Lage, das ganze Land zu beherrschen. Die Freiheitskämpfer behaupten, 30 000 bis 40 000 Mann unter Waffen zu haben."