Jetzt ist die Kasseler Obrigkeit betroffen. Sie ist schockiert über die Filme und Bilder, die jüngst auf dem Fernsehschirm in der Sendung „Report“ zu sehen waren und die Polizisten bei der Aktion „Zwangsräumung“ zeigte. Im Juni zogen kinderreiche Familien, die bisher vergeblich eine Wohnung gesucht hatten, kurzerhand in kleine Reihenhäuser ein, die seit über einem Jahr leerstanden und für Beamte vorgesehen sind. Jetzt wurden diese Familien wieder dorthin verfrachtet, woher sie kamen: ins Obdachlosenasyl. Schuld sei, so heißt es nun, der Bund, dem die Häuser gehören und der die Zwangsräumung beantragt hätte. Da das Recht auf seiner Seite gewesen sei, hätte Kassel handeln müssen. Jetzt, da die Kasseler Stadtväter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ob der schaurigen Photos und Filme, die das schöne und friedliche Bild ihrer Stadt zerstören, haben sie begriffen, daß mit Polizeieinsätzen soziale Probleme nicht gelöst werden können. Wohnungen für kinderreiche Familien sind ebenso wichtig wie für Beamte, heißt es nun im Rathaus.