Einen hervorragenden Eindruck hinterließ auch Elfgard Schittenhelm, die Schwäbin aus Berlin, die in sehr guten 11,2 sec (Weltrekord 11,0 sec) vor der Fünfkampf-Goldmedaillengewinnerin von Mexiko, Mickler-Becker, und Heide Rosendahl, die ihren Starruhm sichtlich genießt, gewann.

Bei den Herren lief mit Köhler vom Turnverein Wattenscheid über 400 Meter ein neuer Mann in 45,8 sec auf der Außenbahn als Sieger durchs Ziel, bekannte Leute wie Schlößke (46,0), und die beiden Mediziner Jellinghaus (46,1) und Jordan (46,2) hinter sich lassend. Der Berliner Schlößke mußte als zweiter wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert werden, eine notwendige Maßnahme, die ihm aber in wenig taktvoller Form erst während der Siegerehrung bekanntgemacht wurde.

Bei den Damen blieb über die gleiche Distanz die kleine zähe Hamburgerin Eckhoff-Bödding als erste knapp unter der 53-Sekunden-Grenze.

Über 1500 Meter der Damen konnte man wieder einmal den Spurt der noch kleineren Ellen Tittel bewundern. Was dieses intelligente Personellen aus einem zierlichen Körper an Leistung herausholt, ist wirklich erstaunlich. Das rhythmische, ästhetische Tandem, das sie mit Christa Merten, der zweiten, auf der Gegengeraden vorführte, war geradezu eine Demonstration für den einst so verpönten Mittelstreckenlauf der Frauen und erntete spontanen Beifall auf den Rängen.

Da bei den Männern nach dem Überwechseln von Jürgen May zur Hindernisstrecke und dem Fehlen von Großverdiener Harald Norpoth, der die 5000 Meter gewann, zur Zeit eine Flaute über 1500 Meter eingetreten ist, konnte Bodo Tümmler, Olympiadritter von Mexiko, nach anderthalb Jahren Verletzungs- und Examenspause ein vielbejubeltes Comeback feiern. Daß et seine Prüfungen mit "gut" und "sehr gut" bestanden hat, sollte man ruhig einmal erwähnen, wo es heute an den Universitäten durch ideologisch eingefärbte Gruppen Mode geworden ist, die Spitzenkönner im Sport als Muskelprotze und Dummköpfe hinzustellen, was sie bekanntlich nicht sind.

Auch in der kurzen Hürdenstrecke wurde mit Nickel ein "König" entthront. Bei Schumanns Siegeszeit von 13,9 sec darf man freilich nicht an die 13,0 des Amerikaners Milburn denken!

Auch der dritte und letzte Tag der Meisterschaften wurde überstrahlt von einer außerordentlichen Leistung, die trotz der 13 000 Zuschauer in völliger Einsamkeit erzielt wurde: der großartige Weltrekord über 800 Meter der Frauen. Eine Traumgrenze, die zwei Minuten, wurde erstmals in der 43jährigen Geschichte dieser Laufstrecke unterboten. 1:58,3 min hieß die kaum glaubliche Zeit der blonden Hildegard Falck, womit sie den bisherigen Weltrekord der Jugoslawin Vera Nikolic von 2:00,5 min gleich um 2,2 sec unterbot. Die Wolfsburgerin lief ein Rennen gegen die Uhr. Ihre Konkurrentinnen schienen für sie überhaupt nicht zu existieren, sie setzte neue Maßstäbe! Schon die 58,8 sec für die erste Runde, wo sie bereits weit vor dem Feld lag, ließen eine Sensation ahnen. Entweder Overpace oder Weltrekord, das ist bei solch tollkühnem Tempo die Frage. Aber der von manchen erwartete Zusammenbruch kam nicht, Hildegard Falck hielt ihre selbstgewählte mörderische Face durch und siegte mit 25 Metern Vorsprung.