Solche Rennen haben etwas Unheimliches und Übermenschliches an sich. Man wurde an Vladimir Kuz, den Russen, erinnert, als er damals in Bern bei den Europameisterschaften Emil Zatopek und Chris Chattaway ebenso überlegen deklassierte.

Aber da erhebt sich schon die Frage, ob diese große Leistung einer Frau, die eine Courage ohnegleichen an den Tag legte, auch belohnt wird? Wird die Leistung dank der Kurzsichtigkeit einiger Funktionäre als Weltrekord nicht anerkannt werden? Alles spricht dafür! Im Mai dieses Jahres wurde vom Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) beschlossen, elektronisch gemessene Rekorde nur anzuerkennen, wenn keinerlei Verzögerung in das System eingebaut, sondern die Zeit absolut gemessen wurde. In Stuttgart aber wurden elektronisch jeweils 150 Millisekunden weniger gemessen, wie es bei der Handstoppung durch die Reaktionszeit des Menschen auch der Fall ist. Man war der Meinung, auf nationaler Ebene könne man machen was man wolle. Das stimmt zwar, aber eine solche Einstellung ist recht unklug. Jetzt, wo man die internationale Anerkennung braucht, ist der Skandal perfekt. Dem Weltrekord der 22jährigen Sport- und Gymnastiklehrerin Hildegard Falck über 800 Meter wird, so glaube ich, die offizielle Anerkennung durch den Internationalen Leichtathletik-Verband versagt werden.

Im Schatten dieses Fabelrekordes gab es eine Reihe von Resultaten, die hoffen lassen, daß wir im nächsten Jahr in München nicht nur hinterherlaufen werden. Ergebnisse, wie sie im Weitsprung der Frauen geboten wurden, kann im Augenblick kaum ein anderes Land aufweisen. Die Weiten der drei Springerinnen: Heide Rosendahl 6,69 m, Ingrid Mickler-Becker 6,62 m und Christa Herzog 6,60 m (allerdings war ein wohltätiger, erlaubter Rückenwind mit im Spiel). Viele andere Leistungen waren gut, aber vom Standpunkt der Weltklasse eben doch noch nicht medaillenverdächtig. Gut auch die Leistungen im Hochsprung, bei dem drei Mann 2,17 m übersprangen, aber die Barriere zur letzten Klasse sind nun einmal 2,20 m. Bei den Damen "flopte" Renate Gärtner über 1,83 m. Neuer Rekord!

Ein gutes Ergebnis bedeutete auch der Weitsprung von Baumgärtner mit 8,02 m und Schwarz mit 7,95 m, auch hier rückenwindbegünstigt. Zieglers 5,10 m im Stabhoch sind nicht gerade überragend. Lobenswert der Dreisprung von Sauer mit 16,64 m, aber auch hier müßte man die 17 Meter sicher überspringen, um nach einer olympischen Medaille greifen zu können.

Die erzielten Zeiten auf den Langstrecken sind ebenfalls nicht überwältigend, besonders schwach der 10 000-Meter-Lauf von Wollenberg mit 29:59,6 min. Auch die 5000 Meter (Norpoth 13:53,0 min) und das 3000-Meter-Hindernislaufen (May 8:32,4 min) wurden doch noch durch die Hitze negativ beeinflußt, obwohl man sie in die Abendstunden verlegt hatte.

Die Stoßer und Werfer zeigten außer im Hammerwurf international gemessen nur brave Leistungen. Mit 19,59 m von Birlenbach im Kugelstoßen, 61,32 m von Hennig im Diskuswerfen und 84,50 m von Wolfermann im Speer sind keine Medaillen zu erringen. Zu erwähnen bleiben noch die restlichen Läufe und die Staffeln. Kemper, der Antitaktiker, lief diesmal wenigstens in der zweiten Runde mit Überlegung, aber die 1:47,5 min scheinen schon seine derzeitige Grenze anzudeuten.

Gut bis sehr gut sind auch die 20,5 sec von Klotz und Hofmeister über 200 Meter und die 49,6 sec von Büttner über 400-m-Hürden.