Seine Reisen sind haarscharf kalkuliert. Reisebürochef Hans Bauernfeind sinniert: „Letztes Jahr hab’ ich die Preise um ein paar Prozent angehoben. Ich hab’ mir halt gedacht, daß es den Leuten nicht drauf ankommt, zwei oder drei Mark mehr für eine Reise an die Adria zu zahlen ... Das mach’ ich nie wieder.“ In Bauernfeinds Nürnberger Touristikunternehmen Reba-Reisen gab es nach den geringfügigen Preissteigerungen tatsächlich eine Stagnation, und erst als er die Erhöhungen wieder rückgängig machte, stellten sich die gewohnten Zuwachsraten erneut ein: in diesem Jahr voraussichtlich 15 bis 20 Prozent.

Hans Bauernfeind veranstaltet Bahnreisen und Omnibusreisen. (Die Prospektauflagen spiegeln das Buchungsverhältnis wider: Bahn 500 000, Bus 150 000 Exemplare). Das Unternehmen veranstaltet in eigener Regie Bahnreisen mit dem Alpen-See-Express in die Alpenländer, an die Ost- und Nordsee sowie nach Spanien und Jugoslawien. Mit dem Omnibus gibt es etwa 25 verschiedene Rundreisen (zu mehreren Abfahrtsterminen) durch Europa, Badereisen an die Adria, Riviera, nach Jugoslawien und an den Gardasee sowie Ferienreisen zu ungefähr 140 Urlaubsorten in den Alpen und im Bayerischen Wald. Acht Busse (mit WC) rollen für Bauernfeind. Operationsgebiet ist Europa zwischen dem Nordkap und Sizilien. Größter Beliebtheit erfreuen sich Rundreisen an die französische Riviera, an Dalmatiens Küste und in die Schweiz.

Die Preise sind fürwahr haarscharf kalkuliert. Die beliebte Busreise an die Côte d’Azur kostet 248 Mark, die Dalmatienreise 258 Mark und die Schweizreise zum Vierwaldstättersee und Genfersee, zum Montblanc und zurück durch das Wallis 235 Mark: jeweils sechs beziehungsweise sieben Tage von und bis Nürnberg: Halbpension, Nebenspesen und Reiseleitung eingeschlossen.

Hans Bauernfeind, Mitgründer und Vorstandsmitglied des Deutschen Reisebüro-Verbands, hat sein Unternehmen aus den Anfängen organisierter Busreisen zur Pariser Weltausstellung 1931 entwickelt. Er war Nürnbergs erster Busreiseveranstalter mit längeren Fahrten. Es begann mit einer Zwei-Wochen-Reise nach Rom. Bauernfeind: „Und dann sind mir die Leute zugelaufen wie dem Rattenfänger von Hameln.“

Der Rattenfänger verkauft 80 Prozent seiner Bahn- und Busreisen außerhalb von Nürnberg, namentlich in Nordbayern. Seine Kunden sind meist ältere Leute gehobener bürgerlicher Bildungsschichten, in der Mehrzahl Damen gesetzten Alters. Reba-Reisen werden in ganz Deutschland über rund 1000 Buchungsstellen verkauft. 1970 fuhren 37 100 Reiselustige mit Reba-Reisen in die Ferien. Umsatz: über 5,5 Millionen Mark.

Das Nürnberger Reisebüro ist ein Familienbetrieb. Und nur deswegen, so Bauernfeind, kann er die Preise so niedrig halten. „Frau, Sohn und Tochter arbeiten mit. Und die bleiben abends, wenn’s not tut, auch ohne Überstundenlohn so lange am Schreibtisch sitzen, bis die Arbeit getan ist.“ bo