Von Hellmuth Karasek

Badajoz liegt im Westen der Estremadura, nur fünf Kilometer von der portugiesischen Grenze entfernt. Zu seiner feria zu Ehren von San Juan strömen zahllose Portugiesen über die Grenze, kaufen den hier billigeren Schnaps, Kitsch und Karten für die dreitägigen corridas.

Badajoz hat zwei plazas de toros: eine neue, große, schöne, die vor ein paar Jahren, wie eine Gedenktafel verkündet, in Anwesenheit des portugiesischen Präsidenten feierlich eingeweiht wurde. Und eine ältere, die außer Betrieb ist. Auf dem Weg zur neuen plazakommt man an der alten vorbei, die da rot in der grellen Sonne vergammelt. Über ihrem mit Brettern verschlagenen Eingang kann man noch in jugendstiliger Schrift die Worte „Plaza de toros“ lesen. Ich weiß nicht, wie viele Spanier daran denken, daß ihr Sand nicht nur von dem Blut zahlloser Stiere rot gefärbt wurde; als während des Bürgerkriegs die Frankisten in die Stadt einzogen, haben sie in dieser Arena eines der blutigsten Massaker des Bürgerkriegs veranstaltet. Bei dieser Exekution wurden an einem Nachmittag zweitausend Republikaner in den Sand der plaza gemetzelt.

El Cordobés stammt nicht, wie der Name vermuten läßt, aus Cordoba, sondern aus Palma del Rio. Als während des Bürgerkriegs die Stadt von roten Radikalen für kurze Zeit gehalten wurde, schlachteten die Hungrigen auch die Kampfstiere des Schinders der Gegend, des Don Felix de Moreno. Es war das erstemal, daß die armen Bewohner des armen Städtchens frisches Fleisch aßen. Kurz darauf eroberten die Putschisten die Stadt. Im Namen von Recht und Ordnung schwor Don Felix fürchterliche Rache für seine Kampfstiere. Er ließ die Männer des Orts zusammentreiben und an einer Mauer mit dem Maschinengewehr zusammenmähen. Rund zweihundert Einwohner sind an diesen Tagen in fürchterlichen Szenen niedergemäht worden – als Preis für die Stiere.

Der Vater von El Cordobés war nur deshalb nicht dabei, weil er mit den kampffähigen Republikanern den Ort verlassen hatte. Er starb, Jahre später, nach dem Sieg des Franco-Regimes hinsiechend, in einem spanischen Gefängnis. Der Waise El Cordobes, dessen Mutter in den furchtbaren Hungerjahren an Entkräftung verreckte, hat dann, bei neuen Stieren des Don Felix, heimlich des Nachts sich auf den Weiden mit den wilden Tieren die Anfangsgründe des Stierkampfes mit vielen Narben und Gefahren angeeignet.

Auf diese Methode, mit der’sich arme Spanier zu der Karriere des Stierkämpfers auszubilden suchen, stehen in Spanien drakonische-Strafen. Auch El Cordobés wurde in seiner Jugend von der Zivilgarde mehrfach halbtot geprügelt.

Jahre später, als der Ruhm des jungen Stierkämpfers begann, hat der gleiche Don Felix ihm einmal im Überschwang der Stierkampfbegeisterung einen zusätzlichen Stier unter dem Beifall der Menge für die Arena geschenkt.