Düsseldorf

Der Staatssekretär höchstselbst überbrachte Urkunde und Segenswünsche der Landesregierung. Für die meisten im Düsseldorfer Finanzministerium kam dies überraschend. Denn so recht hatte niemand mehr damit gerechnet, daß Etta Schiller, frisch vermählt mit Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller, noch einmal an ihren Schreibtisch zurückkehren würde. Ja, vielen wäre es sogar recht gewesen, hätte die „sehr selbstbewußte Dame“ ihren Beruf aufgegeben.

Schuld war die Hochzeit. Unvermittelt platzte diese in den bereits in Gang gesetzten Beförderungsprozeß hinein, sehr zum Ärger der pikierten Arbeitgeber, die in Etta Eckel eine Beamtin auf Lebenszeit gesehen hatten. Finanzminister Hans Wertz schlug Anfang 1971 die „kühle Blonde“ zur Beförderung in die nächsthöhere Gruppe vor – Regierungsdirektor. Alles ging seinen bürokratisch schleppenden Gang. Als die Urkunde endlich ausgestellt, doch die Ernennung vom Kabinett Kühn noch nicht endgültig genehmigt war, meldeten Zeitungen das Unerwartete – die Hochzeit Schiller/Eckel. Die sozialdemokratisch geführte Landesregierung schaltete auf Rot. Sie fürchtete die öffentliche Meinung und die Reaktion der Opposition, weil die Beförderung einem Hochzeitsgeschenk ähnlich sehen könnte. Zudem fand das Kabinett einen Ausweg: Hatte nicht der glückliche Bräutigam gesagt „Meine Frau wird eine Hausfrau!“? Somit war zu erwarten, daß die Beamtin dem Lande gar nicht mehr dienen will, folglich sich die Beförderung erübrigte.

Doch Frau Schiller setzte sich nach den Flitterwochen „wie selbstverständlich an den Schreibtisch“ und wühlte in den Akten. Nolens volens mußte nun befördert werden: Die Regierung machte es in aller Heimlichkeit.

Horst-Werner Hartelt