Das Baby gluckst vor sich hin. Die junge Mutter antwortet mit Glucksen. Sie reagiert auf die Äußerungen des Kindes und bringt ihre Liebe zum Ausdruck, indem sie das Baby liebkost.

Wenn das so geliebte Kind zehn Jahre alt geworden ist, wird es wahrscheinlich intelligenter und kontaktfreudiger sein als seine – mit weniger offener Liebe erzogenen – Altersgenossen. Das ist das Ergebnis von Untersuchungen amerikanischer Wissenschaftler, die jetzt im Bericht der Jahrestagung der „American Orthopsychiatric Association“ veröffentlicht wurden.

Vor rund einem Jahrzehnt untersuchte ein Team von US-Forschern des „National Institute of Child Health and Human Development“ und vom „Family and Child Services of Washington, D.C.“ die Gefühle und Verhaltensweisen von 53 Adoptiv- und Pflegeeltern und deren Beziehungen zu ihren angenommenen Kleinkindern. Jetzt wurden die Früchte der Erziehung begutachtet. Die Kinder – nunmehr zehn Jahre alt – wurden interviewt und ihre Intelligenz getestet. Bei einer Gegenüberstellung der Untersuchungsergebnisse schnitten die Kinder, deren Mütter ihre Liebe nicht verborgen, sondern eine offen affektive Beziehung hergestellt hatten, besser ab als die Gruppe der weniger deutlich geliebten Pflegekinder. Außerdem waren sie kontaktfreudiger.

Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, daß sich nur die Chancen erhöhen, daß also eine liebevolle Erziehung nicht automatisch zu höherer Intelligenz führt. Sie ist nur eine von vielen Einflußgrößen.

Eine weitere Einschränkung legten die Untersuchungsergebnisse nahe: Nur die Jungen reagierten positiv auf die mütterliche Zuwendung. Bei den Mädchen schlugen sich die unterschiedlichen Erziehungsweisen nicht merkbar nieder. Die Gründe dafür gaben die Wissenschaftler nicht an. Brauchen vielleicht kleine Mädchen im Babyalter viel väterliche Affektion, um geistig besser gedeihen zu können? j