Die Dunstglocke über den Großstädten zwingt Kraftstoffund Motorenindustrie dazu, umweltfreundliche" Entwicklungen zu forcieren. Die Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg AG (MAN) hat jetzt in Müncr en einen Erdgasmotor vorgestellt, der nach Angaben der Firma die sogenannten Schadstoffe im Abgas um 60 bis 90 Prozent vermindern soll.

Die Verkehrsbetriebe München, denen dieses Projekt besonders interessant erscheint, wollen noci in diesem Jahr einen Tes tmotor in einen Linienbus einbauen.

Für 197374 plant die MAN einen Großversuch mit einem Gasaggregat, das vor allem für öffentliche Verkehrsmittel in Ballungsgebieten konzipiert ist.

Schwierigste Aufgabe für die Entwicklungsingenieure ist es, eine ausreichende Kraftstoffmenge im Fahrzeug unterzubringen. Man will das Erdgas verflüssigen, um den Druck im Tank herabzusetzen. Dafür ist eine Temperatur von minus 160 Grad erlorderlich.

Sobald eine Veiflüssigungsanlage alle kommunalen Fahrzeuge einer Großstadt mit dem neuen Energie Elixier versorgt, dürfte nach Ansicr t von Fachleuten der Preis den Aufwendungen für Dieselkraftstoff entsprechen. Der Gasmotor könnte auch nachträglich ir Busse und Lastwagen eingebaut werden. Die Umrüstungskosten veranschlagt nan auf zehn Prozent des Fahrzeugpreise; Bei der MAN geht man mehrgleisig vor. Besonders gute Voraussetzungen der Ansicht von Vorstandsmitglied Hans Moll die Gasturbine, an der das Unternehmen seit Jahren arbeitet. Sie kann aber erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts eingesetzt werden und eignet Linie für schwere Lastwagen. Die bisherigen Versuchsergebnisse lassen "sehr günstige Werte" erwarten. Nur die StickOxyde zwingen noch zu weiteren Entwicklungsarbeiten. Die Rauchbelastung fällt von vornherein weg.

Eine dritte Entwicklungslinie verfolgt die MAN gemeinsam mit Philips und seinen Lizenznehmern mit dem StirlingMotor. Dieser Kolbenmotor mit "äußerer" Verbrennung verspricht deutliche Vorteile in der Zusammensetzung der Abgase und ist ebenso wie die Gasturbine geräuschärmer als der Dieselmotor. Im nächsten Jahr will die MAN die Fahrversuche mit einem Omnibus starten.

Ein erster Versuchsbus mit dem — unter Umweltaspekten idealen — Elektroantrieb fährt in Koblenz bereits seit Februar im Linienbetrieb. Die Ergebnisse sind bisher, was den Energieverbrauch anbetrifft, "recht ermutigend" (Moll).