Geld nehmen sie dafür nicht

In der ZEIT Nr. 23 vom 4. Juni 1971 unterhielten wir uns an dieser Stelle über einen "Maßanzug für Medizinmänner", über den Versuch, zweier Banken, den Angehörigen der Heilberufe ein für sie passendes Anlageprogramm zu entwickeln. In diesem Programm werden zwar keine großen Versprechungen gemacht, dafür aber weitgehend Schutz gegen unseriöse Geldeinsammler geboten, deren "Abschreibungsobjekte" so windig sind, daß Verluste einfach nicht ausbleiben können.

Dazu schrieb ich, meine verehrten Leser: "Oftmals haben sich Steuerberater mitschuldig an den Verlusten ihrer Klienten gemacht. Sie haben sowohl gegen Provisionen der Fonds ausländische Investment-Anteile (ohne Prüfung auf Qualität) vermittelt als auch (gegen ein entsprechendes Entgelt) Abschreibungsobjekte verkauft, deren Rentabilität von vornherein auf schwachen Füßen stand."

Gegen diesen Absatz laufen einige Wirtschaftsprüfer Sturm. So teilt mir die Wirtschaftsprüferkammer in Düsseldorf mit:

"Wirtschaftsprüfer sind gemäß § 43 Wirtschaftsprüferordnung (BGBL. I 1961 S. 1049) ausdrücklich verpflichtet, ihren Beruf unabhängig und eigenverantwortlich auszuüben. Dementsprechend bestimmen auch die gemäß § 57 WPO von der Wirtschaftsprüferkammer festgestellten Richtlinien für die Berufsausübung der Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer im Abschnitt VII. Unvereinbare Tätigkeiten, 2 ausdrücklich, daß die Annahme von Vermittlungsprovisionen berufswidrig ist. Entsprechendes gilt auch für Steuerberater nach näherer Maßgabe der Vorschriften des Steuerberatungsgesetzes.

Nach der ständigen Rechtssprechung verstößt im übrigen das Anbieten von Provisionen an die Angehörigen der wirtschaftsprüfenden und steuerberatenden Berufe gegen § 1 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb.

Seitens unserer Wirtschaftsprüferkammer kann im übrigen bestätigt werden, daß seit Inkrafttreten der Wirtschaftsprüferordnung, also seit nunmehr 10 Jahren, Verstöße gegen das Verbot der Provisionsannahme durch Wirtschaftsprüfer nicht bekanntgeworden sind."

In keinem mir zugegangenen Schreiben wird bestritten, daß Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in der Vermittlung von Vermögensanlagen tätig gewesen und auch heute noch sind. Von den Berufsverbänden wird lediglich behauptet, daß diese Tätigkeit eben "ehrenamtlich" oder im Rahmen des erteilten Auftrags geschieht.

Geld nehmen sie dafür nicht

Ich bin den Verbänden sehr dankbar, daß sie die Rechtslage so eindeutig dargestellt haben. Sie war in der Öffentlichkeit, ja selbst bei den Kreditinstituten, die gelegentlich über die "Konkurrenz" der "beratenden Berufe" klagen, weitgehend unbekannt.

"Wir bestreiten ja nicht", so schreibt mir Erwin Bauer, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Pforzheim, "daß es eine geringe Anzahl von Kollegen gibt, die hier gegen Standesvorschriften verstoßen. Es wird aber bei allen Berufen sein, daß es eben Außenseiter gibt, die ihre Geldgier dem Berufsethos voranstellen."

Zum Thema "Abschreibungsobjekte" selbst möchte ich in diesem Zusammenhang folgendes sagen: Wir haben uns an dieser Stelle wiederholt mit solchen Vermögens"anlagen" befaßt und werden es, meine verehrten Leser, auch weiterhin tun. Meine Mitarbeiter und ich sind jedoch überfordert, jedes auf den Markt kommende Objekt auf seine Anlagewürdigkeit zu untersuchen.

Lassen Sie sich nicht durch die Ihnen zugesagten hohen Abschreibungssätze allzusehr beeindrucken. Prüfen Sie selbst oder lassen Sie in jedem Falle der Rentabilität des Objektes, an dem Sie sich beteiligen wollen, überprüfen. Nur sie entscheidet schließlich über den Wert Ihrer Anlage. Und denken Sie daran, daß spätestens ab 1974 eine Erhöhung der Einkommensteuersätze vor der Tür steht. Nicht nur bei den Großverdienern, sondern auch bei dem sogenannten Mittelstand.

Abschreibungen sind im Grunde nur hinausgeschobene Steuerzahlungen. Es ist zwar sehr schön, wenn man jetzt dem Finanzamt ein Schnippchen schlagen kann. Aber man soll die steuerlichen Auswirkungen in den folgenden Jahren beachten. Hier, so meine ich, fällt den Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern eine wichtige Aufgabe zu.

Achten Sie auch darauf, daß in den Gesellschaftssatzungen ausreichend Kontrollmöglichkeiten durch die Gesellschafter eingebaut sind. Was hier oftmals geboten wird, ist ein Skandal. Für Sie, meine verehrten Leser, ist das Kleingedruckte in den Verträgen meist noch wichtiger als die Abschreibungsofferte selbst. Ihr Securius