• Die seit langem festgefahrenen Pariser Vietnam-Gespräche sind nach dem neuen Friedensplan offenbar wieder in Bewegung geraten. In einem vielbeachteten Interview erklärte Le Duc Tho, Senior-Berater der Delegation Hanois, die Frage der Freilassung aller Kriegsgefangenen lasse sich von der Forderung trennen, eine neue – unter Umständen neutrale – Regierung in Saigon einzusetzen. Dafür haben sich Präsident Thieus politische Rivalen, Vizepräsident Ky und General „Big“ Minh, erneut stark gemacht. Hanoi kam auch dem amerikanischen Wunsch nach zumindest teilweise vertraulichen Beratungen entgegen.

Zu Beginn der Woche verloren die USA den 1976. Hubschrauber auf dem vietnamesischen Kriegsschauplatz. Die US-Truppenzahl sank auf 236 400 Mann; die Zahl der alliierten nichtamerikanischen Soldaten auf 66 000.

  • Unvermindert schwierig ist die Lage der geflohenen Ostpakistani in Westbengalen. Bis zum 10. Juli waren 6 763 000 Flüchtlinge registriert. Neu-Delhi will 2,5 Millionen vorläufig ins Landesinnere umsiedeln und plant dazu 46 neue Lager. Für die nächsten sechs Monate sind Hilfsgüter im Werte von 1,4 Milliarden Mark nötig. Die deutschen Sachsendungen haben gerade die Ein-Millionen-Grenze überschritten, dazu sechs Millionen Mark Unterstützung. Washington hat Indien 70,5 Millionen Dollar Flüchtlingshilfe zugesagt
  • Ein neuer Krisenherd ist in Ostafrika entstanden. Ugandas Staatschef Amin, im Januar durch einen Militärputsch an die Macht gekommen, schloß die Grenzen zu Ruanda und Tansania und drohte dem tansanischen Präsidenten Nyerere mit Krieg – er habe jetzt „genug Demütigungen und Beleidigungen hinnehmen müssen“. Nyerere hat allerdings aus seiner Feindschaft gegenüber Amin nie ein Hehl gemacht. Erstes Opfer dieser halb ideologischen, halb wirtschaftlichen Auseinandersetzungen ist die Ostafrikanische Gemeinschaft (Uganda, Tansania, Kenia), ein Überbleibsel des unter britischer Herrschaft errichteten Gemeinsamen Marktes. Ugandas Nachbarn nehmen freilich Amins Säbelrasseln nicht ernst. Am Wochenende sprach Amin in Israel vor. Wie verlautet, hat er neben wirtschaftlicher und technischer Hilfe auch Waffenlieferungen im Werte von einer Million Dollar ausgehandelt.