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Eeinst wurde Böll gefragt, ob er Gedichte schreibe. Er antwortete: „Ich habe Gedichte geschrieben ... Ich habe einige publiziert, sogar in vergangenen Jahren, unter Pseudonym: in versteckten Publikationen. Ich habe früher als junger Mensch sehr viele Gedichte geschrieben und werde auch weiter welche schreiben ... Viele habe ich auch vernichtet, aber ich schreibe welche. Ich scheue mich etwas ...“

Den meisten Lesern kommt diese Erklärung unerwartet; Auf allen Kontinenten der Erde, in den verschiedensten Ländern gibt es eine Menge Menschen, die Böll als Romanschriftsteller, als Erzähler, als Meister einer eigenartigen poetischen Prosa kennen und lieben ... In seiner Heimat und in den anderen Ländern deutscher Sprache ist Böll bekannt als Dramatiker, als Verfasser von Theaterstücken, Hörspielen, als Drehbuchautor, Kritiker, Rezensent, Publizist, Übersetzer (unter Mitarbeit seiner Frau Annemarie übersetzte Böll die Romane und Erzählungen von Salinger, Malamud, Hörgan, Behan, die Dramen von Shaw u. a.). Man kennt ihn als vorzüglichen Redner, als prominente Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, als Redakteur der neuesten Bibelübersetzung ... Nur wenige haben aber etwas von Bölls Gedichten gehört, selbst die Verfasser bibliographischer Nachschlagewerke erwähnen sie nicht.

Einige Literaten, die Bölls Bücher lieben, lasen die vier nie veröffentlichten Gedichte, lehnten aber ab, sie einer Besprechung zu unterziehen: „Es ist natürlich talentvoll, aber so ganz und gar nicht böllähnlich, und zudem, ist es zu wenig, um eine Meinung zu äußern, und zu ungewöhnlich ... Bölls Prosa ist verständlich und anziehend in einer beliebigen Sprache, ergreifend sogar in schwachen Übersetzungen, Diese Gedichte dagegen muß man unbedingt erklären, kommentieren ...“

Und doch möchten wir versuchen, uns in diese kurzen Verse, die jeglicher Interpunktionszeichen, jeglichen Reimes, Versmaßes und jeglicher Melodik entbehren, hineinzudenken. Die Verse haben einen zuweilen absichtlich stolpernden Rhythmus, der die Aufteilung der Gedichte in Zeilen bedingt. Die syntaktischen Rahmen sind gesprengt, Inversion und ungewöhnliche Wortfolge verleihen gewöhnlichen Worten frappierende poetische Ausdruckskraft.