Von ihren Vorgängerinnen unterscheidet sich die neue Liste der größten Unternehmen in der Bundesrepublik insofern, als erstmalig die Handelsunternehmen getrennt von den Industrieunternehmen aufgeführt werden. Damit sind die Vergleichsmöglichkeiten verbessert worden. Dennoch, die Statistik ist auch diesmal nicht frei von Lücken und Schätzungen.

Erst vom nächsten Jahr an, wenn das im August 1969 verkündete „Publizitätsgesetz“ allen Großunternehmen die Veröffentlichung eines Geschäftsberichtes vorschreibt, wird die Liste vollständiger sein. Aber auch in Zukunft werden diese Jahresübersichten schwerlich allen Ansprüchen genügen: Eine Lücke hat das Gesetz dadurch gelassen, daß die Berichtspflicht auf die in Deutschland ansässigen Unternehmen beschränkt bleibt. Findige Buchhalter werden sicher einen Weg finden, um bestimmte Zahlen, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen, ins Ausland zu verlagern.

Die in der Tabelle angegebenen Umsätze der Unternehmen enthalten in der Regel alle Umsätze der Firmen, an denen das Unternehmen mit 50 oder mehr als 50 Prozent beteiligt ist. Sie sind bis auf wenige Ausnahmen um die Mehrwertsteuer bereinigt. Der Anteil des Auslandsgeschäftes am Umsatz 1970 enthält die Exporte der deutschen Firmen und die Eigenleistungen der ausländischen Beteiligungen.

Die bedeutendste Veränderung gegenüber dem vergangenen Jahr ist eine Positionsänderung in der Spitzengruppe. Bayer als langjähriger Chemie-Spitzenreiter mußte seine Position als führendes Unternehmen dieser Branche an Hoechst abgeben. Beachtenswert: Der Umsatzzuwachs bei Hoechst ist eine „echte“ Umsatzsteigerung und nicht etwa durch Zukauf umsatzstarker Unternehmen entstanden.

Gegenüber dem vergangenen Jahr haben sechs weitere Unternehmen den Sprung über die Zehn-Milliarden-Hürde geschafft. Wie vor einem Jahr, so stand auch diesmal Volkswagen an der Spitze der deutschen Unternehmen.

Freilich gibt es noch weitere „Großunternehmen“, die dem Umsatz nach in die Spitzengruppe der größten Unternehmen gehört hätten: Die Bundespost hat im vergangenen Jahr 14,5 Milliarden umgesetzt und hätte damit Platz zwei erreicht. Die Bundesbahn würde mit 13,3 Milliarden folgen.

Einsame Spitzenreiter wären hingegen diese beiden „Unternehmen“, wenn die Zahl der Beschäftigten den Ausschlag geben würde: Bei der Bundespost waren per 31. Dezember 1970 451 148 Personen beschäftigt, bei dieser Zahl sind Halbtagskräfte jedoch nur als „halbe Person“ gerechnet; auf den Gehalts- und Lohnlisten standen 484 147 Beschäftigte bei der Bundespost. Die Bundesbahn begnügte sich dagegen mit 410 000 Beschäftigten.