Großstadt. Autos. Abgase. Fabriken. Schlote. Dichter Qualm. Gift. Grauer Schleier über den Ballungsgebieten. Sommer. Drückende Hitze. Windstille. Smog.

Und wir mittendrin. Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. So steht es im Grundgesetz. Smog. Die Todesfälle häufen sich. Atembeschwerden. Lungenemphyse. Kinder sollten bei Smogalarm das Haus nicht verlassen. Wir eigentlich auch nicht. Doch da ist die Arbeit, da ist der Haushalt. Einkaufsbummel mit Kopfschmerzen. Übelkeit am Steuer. Gereiztheit. Niedergeschlagenheit. Irgendwo bricht jemand auf der Straße zusammen. Smog. Die Schlote rauchen weiter. Und wir wollen auf unser Auto nicht verzichten. Schließlich müssen wir zur Arbeit. Der giftige Gaspilz über den Städten wächst. Staubteilchen umhüllen sich mit Giftstoffen und fallen herab. Wir atmen sie ein. Wir schlucken Gift. Heute spüren wir noch nichts, aber morgen vielleicht. Jeder hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Jeder weiß, daß er dagegen etwas unternehmen sollte. Jeder weiß, daß die Schlote weiterrauchen und daß es von Tag zu Tag schlimmer wird. Und jeder benutzt weiterhin sein Auto. Selbst bei einem Nulltarif der öffentlichen Verkehrsmittel würde man nicht auf sein Auto verzichten, ermittelte ein Demoskopieinstitut.

Qualmwolken aus Schloten verdunkeln den Himmel. Bäume werden gefällt. Ein langsamer Tod steht uns bevor. Wir werden, eingehen wie die Fische in den sauerstoffarmen Gewässern. Jeder hat das Recht auf Leben. Der schleichende Mord an uns wird amtlich erlaubt. Neue Autos werden zugelassen, neue Fabriken werden gebaut. Verlangt man Schutzvorrichtungen, Filter, bleifreies Benzin, dann heißt es: „Zu teuer, solche Investitionen kann unsere Firma nicht verkraften.“ Gewiß, das Problem ist erkannt, die Gesetzesmaschinerie kommt in Gang, doch viel zu langsam, viel zu schwerfällig. Und für Unternehmer gibt es anscheinend nur eine Alternative: Zurück ins Postkutschenzeitalter, Preisgabe aller technischen Annehmlichkeiten, oder weitermachen wie bisher.

Das heißt also: weiterleben im Smog. Unter einer Dunstglocke, die die Sonne zurückhält. Für uns gibt es keine Chefvilla im Tessin.

Die Häuserfassaden verdrecken immer schneller. Die Gase zerfressen den Sandstein. „Luft wird bald etwas Sichtbares sein.“ In manchen Gegenden kann man schon heute nicht mehr mit heller Kleidung auf die Straße gehen. In ein paar Jahren wahrscheinlich nur noch mit Atemmasken. Die Gaswolke über den Dächern beginnt auf der Straße. Dort, wo wir sind, wo wir atmen. Wo wir noch lange atmen wollen. Wir haben ein Grundgesetz, darin steht: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Jeder. Berthold Steinborn, 19 Jahre