Von Wolfram Runkel

Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein, und Italiens blaues Meer im Sonnenschein...“ Mögen Wein, Weib und Blumen noch so rot sein, Italiens blaues Meer ist offenbar kein Schlager mehr. Auch die meisten deutschen Reiseveranstalter singen in ihren Prospekten das hohe Lied Italiens lieber mit Strand, Sand, Sonne und Hotel-Swimming-pools als mit dem blauen Meer. Nur Neckermanns N-U-R verspricht noch „herrlich blaues Meer“, während Tigges lieber den Blick zum Horizont erhebt: „In der Ferne schimmert das tiefblaue Meer.“ In der Ferne.

An viel zu vielen Badestränden ist das Meer höchstens noch in einer changierenden Ölspur blau, sonst ist es braun oder grau. Und die italienischen Fremdenverkehrsmacher sehen schwarz.

Während sie zum erstenmal seit dem Zweiten Weltkrieg sinkende Besucherzahlen beklagen (und die streikenden Hotelangestellten einen weiteren Rückgang befürchten lassen), hat eine Expertenkommission jetzt potentielle Gäste mit neuen Hiobsbotschaften verschreckt. Danach sind 60 Prozent der italienischen Badestrände stark verschmutzt, an drei Vierteln aller Strände ist das Meerwasser gesundheitsgefährdend.

Fälle wie der eines jungen Hamburgers, der nach einer Viertelstunde Schnorchelns in der Nähe von Triest vier Tage seines Urlaubs mit Hautausschlag und Magenvergiftung in einem Krankenhaus verbringen mußte, sind keine Seltenheit mehr. Immer mehr Touristen, melden nach einem Bad in dem kaputten Wasser: Magen Darm-Erkrankungen, Durchfall, Hautausschlag, Geschwüre oder Augen- und Ohrenentzündungen, oder in noch schlimmeren Fällen infektiöse Leberentzündungen. Da sich der Grad der Gesundheitsgefährdung nur in besonders krassen Fällen schon beim Anblick des Wassers erkennen läßt, empfehlen Ärzte jetzt schon eine Schutzimpfung für Italien-Urlauber.

Von sechs Journalisten, die im Mai, für einen Tag in Viareggio haltmachten, um (während einer längeren Reise) schnell mal im Mittelmeer unterzutauchen, verzichteten zwei sofort angesichts der braunen Brühe auf die Erfrischung. Die anderen balancierten etliche hundert Meter am Strand zwischen Konservendosen und alten Schampunflaschen zu einem günstigeren Einstieg, um dann durch Abfallmatsch in relativ flüssiges Wasser zu kommen. Einer verzichtete am nächsten Tag auf Essen und Trinken und lag am Spätnachmittag im Bett.

Als Touristengeheimtip gilt vielen die „Costiera Amalfitana“. Unseren Großeltern war sie Land der Sehnsucht, Garantie des besseren, reineren Lebens. Steilküsten-, Buchten- und Grottenweit südlich von Neapel zwischen Sorrent und Salerno, Verlängerung Capris, Nachbar von Pompeji und Paestum, Kultur durch alle Jahrhunderte: die amalfitanische Küste. Über ihr Juwel, Positano, berichtet ein Mitarbeiter der ZEIT: