Von Robert P. Hertwig

Portugal-Touristen sind genügsame Leute. Von gut 800 Kilometern Atlantikküste haben sie bis heute erst 200 Kilometer Felsen- und Sandstrände für sich entdeckt: die Algarve. Was nördlich von Lissabon an Kur- und Badeorten übrigbleibt, gehört den Einheimischen und einigen Versprengten, die sich in dieser vielfältigen und noch weitgehend ursprünglichen Landschaft erholen und wohl fühlen.

Natürlich gibt es plausible Gründe für die Algarve-Vorliebe des Normalurlaubers Die Durchschnittstemperaturen von Luft und Wasser betrugen zum Beispiel im Juli an der Algarve 24 (Luft) und 23 Grad Celsius (Wasser); am mittleren Küstenstreifen: 21 beziehungsweise 15,5 Grad. Die höchsten Werte werden in Figueira da Foz mit 25 und 17 Grad im September erreicht.

Trotzdem versuchen die Portugiesen jetzt, auch den Mittelteil ihres Landes fremden Besuchern schmackhaft zu machen. Dabei verweilt man auf das besonders bekömmliche Klima, auf neue Hotels und Pensionen an der Küste und auf die Fülle der kulturhistorischen Attraktionen in dieser Gegend.

Das Kaleidoskop aus Landschaft und Historie fügt sich am besten zusammen, wenn man eine Rundfahrt per Mietwagen macht. Kultur- und Küstenregionen liegen so nahe beieinander, daß sich eine Vielzahl abwechslungsreicher Kombinationen für die Reiseroute denken läßt. Man kann aber auch den ersten Teil der Tour für den Ab-Stecherin – die Kulturgeschichte verwenden, um dann auf der Rückfahrt gemächlich die Küste entlang zu bummeln und irgendwo in einem der Fischerdörfer hängenzubleiben.

Wenn man zum Beispiel in Lissabon auf der Hauptstraße nach Norden, Richtung Coimbra, startet, erreicht man bald die Klosterkirchen in Alcobaça und Batalha, glanzvolle Beispiele gotischer Architektur. Aber auch Fatima ist nicht weit, jene wundersame Stätte des Glaubens und des Kommerzes; oder die malerischen Silhouetten der Burgen von Leiria und Penela. Romantisches Wahrzeichen aus dem Zeitalter der portugiesischen Könige ist das Festungsstädtchen Vila Nova de Ourem. Es ist älter als die portugiesische Nation. Auch die Ruinas de Conimbriga liegen auf dem Weg nach Coimbra. Die Ausgrabungen gehören zu den wichtigsten Funden römischer Architektur auf der iberischen Halbinsel.

Coimbra, im 12. und 13. Jahrhundert Hauptstadt des Königreichs und Sitz einer der ältesten Universitäten Europas, entstand aus der römischen Festung Aeminium. In dieser Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten sollte man Station machen.