Neu in Galerien und Museen:

Essen Bis zum 30. September, im Grugapark: „7 Bildhauer aus Wien in der Gruga“

Jeden Sommer macht das Museum Folkwang eine Plastikschau im Grugapark und demonstriert damit sein fortschrittliches Konzept von Öffentlichkeitsarbeit, Kunsterziehung und Oberwindung musealer Enge: Kommunikation zwischen Kunst und Publikum kann überall stattfinden. Diesmal hat es die Wiener Schule ins Freie gestellt, nicht den „Phantastischen Realismus“, vielmehr die andere Wiener Schule, Wotrubas Schule der Plastik. Wotruba selber ist mit drei sehr guten Bronzen vertreten. Auch seine Schüler, die sich, wie Rudolf Schwaiger und Alfred Hrdlicka, weit von der Blockarchitektur ihres Lehrers entfernt haben und sich in barocken Figurationen ausleben, haben gute und wichtige Arbeiten nach Essen geschickt. Aber die Rechnung des Museums geht nicht auf, die erhoffte Begegnung zwischen den Besuchern des Grugaparks und den Kunstwerken findet nicht statt. Irgendwo auf dem Rasen vor Gebüsch steht ein Bronzekruzifix von Hrdlicka, das hier total deplaziert ist, das niemand hier sehen will. Karl Prantls sparsam bearbeiteter „Tisch“ aus Serpentinstein stört zwar niemanden, aber er wird entweder übersehen oder als irgendein unförmiger Stein identifiziert, der auf dem Rasen herumliegt. Das einzige, was den Blick überhaupt festhält, ist die vierteilige Farbstraße von Roland Goeschl, die in ähnlicher Ausführung einmal auf der Biennale zu sehen war. Ein gut gemeintes, aber mißglücktes Unternehmen. Weder sind die Plastiken für diese Situation oder überhaupt fürs Freie konzipiert, noch sind die Leute, die im Grugapark spazierengehen, darauf eingestellt oder vorbereitet, was sie hier erwartet.

Gottfried Sello

München Bis zum 29. August, Alte Pinakothek: „Dürer-Renaissance“

Der Titel klingt irreführend: gemeint ist nicht Dürers Ausstrahlung auf die Kunst seiner Zeit, sondern das Wiederaufgreifen Dürerscher Motive im frühen 17. Jahrhundert, hier aufgezeigt an Beispielen der Kunst am Hofe des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. Dürer-„Revival“ (das entsprechende Wort für den englischen Terminus fehlt im Deutschen) wäre genauer. Denn bei diesem kuriosen Ableger des manieristischen Concettimus handelt es sich um die Evokation der Kunst des Nürnbergers. Wie Arcimboldi Porträts aus Früchten bildet, so stückelt der Hofmaler Georg Vischer eine Darstellung der „Gefangennahme Christi“ aus Dürer-Zitaten zusammen, die er Zeichnungen im Gebetbuch Kaiser Maximilians und Holzschnitten entnommen hat. Andere verwandeln ihre Vorbilder durch Umsetzung in konträre Kunstmedien: Ein Kupferstich („Ritter, Tod und Teufel“) wird zu einem Gemälde respektabler Größe ausgedehnt, das holzgeschnittene Rhinozeros, zum Kunstkammerstück umfunktioniert, erhält eine Haut aus Schildpatt, Muscheln und Korallen. Der Kurfürst, ein leidenschaftlicher Dürer-Sammler, wollte nicht allein „neue“ Dürer-Werke um sich haben, er ließ auch originale „komplettieren.“ Die retrospektive Haltung, die in derlei Delikten sichtbar wird, ist vom Kunstgeschmack Serenissimi zweifellos mitbeeinflußt, darüber hinaus ist sie aber ein wenig bekannter Beleg für die historisierende Montagetechnik jener Zeit.

Helmut Schneider