Der britische EWG-Beitritt scheint die Labour Party vor eine ähnliche Zerreißprobe zu stellen wie 1960 die Diskussion um die atomare Abrüstung. Die Times brachte zu Wochenbeginn eine Übersicht, nach der im Labour-Schattenkabinett zehn Parteiführer gegen einen Beitritt sind, sieben dafür und zwei, die sich der Parteientscheidung fügen wollen. Parteiführer Wilson, inzwischen Beitrittsgegner, mußte sich von allen vier Ministern, die unter ihm mit den Brüsseler Verhandlungen zu tun hatten, Kritik an seinen Rückzugsmanövern gefallen lassen.

Premierminister Heath eröffnete dagegen seinen Europafeldzug mit einer Fernsehansprache voller Optimismus. England könne von einem Beitritt nur gewinnen. Die Vorteile – so rechnet auch das britische Weißbuch vor, das mittlerweile zu einem Bestseller geworden ist – überträfen den Eintrittspreis um ein Mehrfaches. Bis 1977 werde Londons Beitrag zur Gemeinschaft auf höchstens 200 Millionen Pfund anwachsen; die Steigerung der Lebensmittelpreise veranschlagt die Regierung mit jährlich rund 2,5 Prozent.

An einem parlamentarischen Erfolg des Premiers wird nicht gezweifelt. Die Konservativen haben eine Mehrheit von 28 Stimmen, und ihrer, rund 30 Unentschlossenen stehen über 40 Labour-Parlamentarier gegenüber, die für einen Beitritt stimmen möchten. Zumindest ein prominenter Labour-Politiker wird sich einem Fraktionszwang nicht beugen: Ex-Außenminister Stewart will auf jeden Fall mit Ja stimmen.

In der Bevölkerung gewinnt der Beitrittsgedanke langsam an Boden. Freilich: Die letzte Nachwahl gewann ein Anti-Europäer der Labour Party. Drei Nachwahlen stehen noch aus.