Mit einem Seufzer der Erleichterung kommentierte der linksliberale Guardian die Tory-Pläne zur Teilreprivatisierung der British Steel Corporation: „Das dogmatische Bellen der Regierung war schlimmer als ihr administratives Beißen.“ Der konservativ-ideologische disengagement-Berg hat eine Maus geboren: Der drittgrößte Stahlproduzent der Welt wird nicht nach den Wünschen der free enterprise-Leute vom rechten Flügel der Regierungspartei reprivatisiert, sondern nur reorganisiert: weitgehend gemäß den Plänen von BSC-Boß Lord Melchett selbst.

Und das ist ein weiter Weg zurück seit dem Herbst 1970, als die konservativen Wochenendredner die Stahlindustrie zum Testfall für ihre neue Unternehmenspolitik gemacht hatten. BSC werde reprivatisiert, versprach (oder drohte) damals der eine. Der Welt drittgrößter Stahlproduzent – Jahresausstoß 26 Millionen Tonnen – werde in zwei bis vier Gesellschaften aufgesplittert, damit endlich das Heilmittel „Konkurrenz“ wirken könne, enthüllte ein anderer. Fleet Streets Kommentatoren schließlich glaubten allesamt an die „BP-Lösung“: Die BSC werde nach dem Vorbild von British Petroleum mit Privatkapital ausgestattet. Der Staat bleibe größter Aktionär.

John Davies, Staatssekretär für Handel und Industrie, offenbarte nun nach monatelangen Verhandlungen eine Mischung von „Stahl-Pragmatismus“ (Financial Times), die den Kritikern Wind aus den Segeln nimmt.

In den nächsten zwei Jahren sollen privates Kapital in einige Spezialabteilungen eingebracht und periphere Abteilungen (wie Chemie, Hausbau oder Ziegeleien) abgestoßen werden. Fernersoll die BSC meist im Austauschverfahren mit dem kleinen privaten Sektor jene Produktionsbereiche reorganisieren, in denen die letzte Verstaatlichung von 1967 nur zu kostspieligen Doppelspurigkeiten geführt hatte. Konkurrenzkonzepte ließ man fallen.

Seinen größten Sieg aber hat Lord Melchett damit errungen, daß die Regierung weiterhin alle Verluste der beträchtlich „lahmenden Ente“ übernimmt und auch grünes Licht für die weitere Expansion auf Staatskosten gegeben hat. 225 Millionen Pfund darf die BSC in diesem Jahr investieren, drei bis vier Milliarden Pfund (inoffiziell) bis 1980, wenn sie jährlich rund 43 Millionen Tonnen Stahl kochen will. Der Economist hat keine Zweifel: Die Regierung wolle sich neben aller Kritik über Inflation und Rezession nicht noch eine hitzige Stahlkontroverse aufladen, wo doch jede Anstrengung nötig sei, um die Briten zum EWG-Beitritt zu überreden. Und die Times meinte, daß sich „die BSC nun endlich ganz auf ihre wirtschaftlichen Verantwortlichkeiten konzentrieren könne“.

Doch kaum bot die interne Stahlpolitik keine Angriffsfläche mehr, entdeckte die Linke, welch schreckliche Gefahr von Europa her drohe. Der Guardian versuchte zu beweisen, daß die EWG Großbritannien nur dann aufnehmen wolle, wenn die BSC in zwei kleine Teile aufgesplittert sei. Als dieses Argument widerlegt war, erschien im gleichen Blatt plötzlich ein „geheimes Memorandum“, wonach die Montanbehörde Satz um Satz aufzeige, welche Europa-Regeln von der englischen Stahlindustrie (und auch vom National Coal Board) jeweils gebrochen würden. London, so wurde bewiesen, müsse nach dem Beitritt allen Einfluß auf seine eigenen Basisindustrien verlieren.

Die Antieuropäer auf der Labourlinken, denen die verstaatlichten Industrien ans Herz gewachsen sind, hatten ihre Freude: Sie konnten das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, und Harold Wilson war natürlich auch schnell zur Stelle. Wenn dem so sei, meinte der Ex-Premier, der noch immer nicht, weiß, ob er nun ja oder nein sagen soll, müsse er sich eine Stellungnahme natürlich vorbehalten. „Ein Ökonom von BSC“ schließlich trieb die Polemik auf die Spitze. In der Wochenschrift The Spectator gab er sich anonym alle Mühe, lang und breit zu erklären, warum der EWG-Beitritt für die BSC zur Katastrophe werden müsse.