Ara Oztemels steiler Aufstieg begann Anfang der fünfziger Jahre mit einer Reise nach Moskau und erreichte Mitte Juni 1971 einen vorläufigen Höhepunkt: Das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Business Week“ charakterisierte den heute 45jährigen Oztemel als „Pferdehändler auf höchstem Niveau“ und stellte ihn einer überraschten Geschäftswelt als den Mann vor, der das größte Geschäft nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Rußland und den USA vermittelt hatte. Unter Oztemels rühriger Regie hatten die Russen mit dem US-Lastwagenproduzenten Mack Trucks einen Vertrag über den Bau des Kama-Projekts, des größten Lkw-Werks der Welt, geschlossen.

In der vorigen Woche schloß Oztemel einen Vertrag in Hamburg. Gemeinsam mit der Münchmeyer Import GmbH wird seine Satra Corporation mit Sitz im New Yorker Stadtteil Manhattan eine Satra Deutschland GmbH gründen. Geschäftszweck: Das Russenhandel-Knowhow des Amerikaners soll deutschen Industriebossen angedient werden.

Der Verkauf guter Beziehungen zu russischen Ministerien und Handelsgesellschaften sind Oztemels einzigartiges Geschäft. Und was er da verkauft, ist, so der gebürtige Türke armenischer Abstammung, „mehr eine schöne Kunst als eine Wissenschaft“. Wie ein Künstler sieht er allerdings nicht aus: mittelgroß, ein wenig rundlich, imponierend großer Kopf mit Halbglatze und ergrauten Löckchen, gutbürgerliche Kleidung und eine offensichtliche Vorliebe für übergroße, großzügig gemusterte Krawatten. Mit dem typischen amerikanischen Geschäftsmann hat Oztemel kaum Ähnlichkeit.

Auch sein Aufstieg zum millionenschweren Boß hat keine Ähnlichkeit mit amerikanischen Durchschnittskarrieren. Oztemel verließ gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Türkei – als Seemann auf einem US-Frachter. Nach Studium und Beschäftigung als technischer Angestellter startete er 1952 sein eigenes Handelsunternehmen. Er spezialisierte sich auf den Handel mit Edelmetallen – Chromerz, Mangan und Nickel. Sein Lieferant war von Anfang an Rußland.

Seine Partnerschaft mit den Kommunisten war nicht nur einzigartig, sie bereitete – neben den zweifellos guten Chancen – auch ungewöhnliche Schwierigkeiten. Handel mit Kommunisten und gute Verbindungen zu Moskau waren für die amerikanischen Regierungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten oft recht suspekte Dinge. Noch heute ist der Handel mit Rußland von amerikanischer Seite streng reglementiert, und staatliche Exporthilfen für Russengeschäfte sind nach wie vor vom Senat verboten.

Doch Oztemels Geschäfte florierten. Er hält heute die Exklusivrechte für Chromerz- und Manganimporte aus Rußland, er hat eine Art Vorkaufsrecht für russische Kunstwerke und Antiquitäten, die auf den US-Markt kommen, er sicherte sich die US-Rechte für das Filmepos „Krieg und Frieden“ und verkauft – natürlich auch exklusiv – Wolgas, Moskwich und den russischen Fiat in England. Er gebietet über sechs Firmen in den USA, zwei in England und über eine Niederlassung in Moskau. Mit rund 300 Beschäftigten setzte er im vorigen Jahr „über 100 Millionen Dollar“ um, davon 80 Prozent im Rußlandgeschäft.

Seine Satra Corporation, die auf Beratung und Ost-Geschäftsanbahnung spezialisiert ist, hatte in den letzten Jahren die höchsten Zuwachsraten aufzuweisen: Renommierte Firmen wie US-Steel und Borg Warner ließen sich von Oztemel und seinem Stab in Moskau einführen und vertreten Für seine einzigartigen Dienste kassiert Oztemel grundsätzlich zweimal – eine feste Beratungsgebühr und eine Kommission, wenn das Geschäft tatsächlich abgeschlossen wird.