Zu Beginn ihrer fünften Verhandlungsrunde über eine Begrenzung der strategischen Rüstung (SALT) trugen die USA und die Sowjetunion in Helsinki gedämpften Optimismus zur Schau. Die vierte Runde der im November 1969 begonnenen Gespräche war am 20. Mai mit einem spektakulären „Durchbruch“ – so Präsident Nixon – zu Ende gegangen. Ein in Moskau und Washington gleichzeitig veröffentliches Kommuniqué kündigte an, daß man sich 1971 auf eine Beschränkung der Raketen-Abwehrsysteme (ABMS) konzentrieren wolle. Parallel dazu sollten „gewisse Maßnahmen im Hinblick auf die Beschränkung der Offensivwaffen“ vereinbart werden.

Die Delegationsleiter Smith und Semjonow beriefen sich auf diese Ankündigung. Semjonow zitierte zudem nachdrücklich seinen Parteichef Breschnjew, der am 11. Juni die erhöhte Bedeutung der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen betont hatte.

Einen Tag vor der Eröffnung hatte die Prawda – wegen der sowjetischen Geheimhaltung sinnigerweise auf amerikanische Angaben gestützt – ihren Lesern die immensen Kosten eines ABM-Systems vorgerechnet. Der Schluß liegt nahe, daß der Kreml entgegen den Wünschen einiger hoher Militärs seinen ABM-Abwehrgürtel um Moskau (angeblich 64 Startanlagen) nicht weiter ausbauen will.

Vor der fünften Runde hatte es im Westen einige Spekulationen um den 52jährigen Wissenschaftler Anatolij Fedossejew gegeben. Die Los Angeles Times vermutete in ihm den sowjetischen Experten für antiballistische Raketen Ignatij Nikitrin, dessen Kenntnisse für die amerikanischen Unterhändler einen wichtigen Vorteil bedeutet hätten. Aber nach einem Interview mit dem englischen Daily Telegraph stellte sich heraus, daß Fedossejew zwar auch „Held der Sowjetunion“ ist, aber so heißt, wie er angibt, und ein Radarexperte ist.