Gegen Österreich bestritt er am 11. Juli sein vorletztes Spiel. Am 18. Juli wird er gegen Jugoslawien zum letztenmal – nach eigener Aussage – in der brasilianischen Fußballnationalmannschaft spielen: Pelé. Aus Anlaß dieses Abschieds von der internationalen Fußballbühne diese Reminiszenz.

Es war 1958. Da tauchte plötzlich ein Name in den Schlagzeilen der Sportpresse auf, der das Gesetz von der Vergänglichkeit des Sportruhms, weil er auf rein körperlichen Voraussetzungen beruhe, aufzuheben schien. Damals 18 Jahre alt, wurde Edson Arantes do Nascimento, genannt Pelé, mit der Mannschaft Brasiliens in Schweden Fußballweltmeister. Man feierte Pelé als besten Stürmer des Turniers – durchaus keine ungewöhnliche Ehrung, denn jedes Turnier, jedes Spiel, jeder Wettkampf hat seinen Primus.

Die Bedeutung, die schon damals eine Fußballweltmeisterschaft besaß, erhöhte natürlich den Wertakzent dieser Ehrung, zumal in so jungen Jahren. 1962 bei der Weltmeisterschaft in Chile und 1966 in England stand schon vor Beginn des Turniers die Rangordnung fest. Ungekrönter König, in den zurückliegenden Jahren immer wieder bestätigt, war allein Pelé. Inzwischen war der Millionär geworden, Straßen trugen seinen Namen, ein Denkmal wurde ihm errichtet – dies Attribute dauernden Ruhmes. Seine Verätzungen während dieser Weltmeisterschaften schmälerten diesen Ruhm nicht, im Gegenteil. Alle Versuche, den besten Spieler der Turniere zu bestimmen, endeten bei einem Vergleich mit Pelé, ohne daß der durch ihn gesetzte Maßstab erreicht worden wäre.

Die Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko wurde wiederum zu einem persönlichen Triumph Pelés. Er entschied die Spiele durch seine Tore – Ausdruck und Krönung seiner Leistungen im Dienste seiner Mannschaft. Das Nonplusultra, Fußball zu spielen, war erreicht, sein Vertreter und Interpret gefunden. Der Name Pelé hieß Fußball, die Identität zwischen beiden war hergestellt.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es ebenfalls Spieler gegeben, die mit Lobeshymnen überschüttet worden waren, aber immer mit dem Hinweis auf diese oder jene Schwäche; „ist ja menschlich“. Bei Pelé gab es sie nicht mehr, er war der vollkommene Fußballspieler, mit allen jenen Eigenschaften, die diesen auszeichnen: Er spielte schnell und langsam, wie es die Situation erforderte, er sprang höher bei Kopfbällen als der Gegner, war ihm überlegen im Lauf, Kampf um den Ball, er schoß genau und scharf, war ausdauernder als jeder Konkurrent, geschmeidiger und wendiger in jedem Moment.

Dies alles wußte ich, als Pelé – mit den anderen zehn – nach Hamburg kam, um mit seinem Verein, dem FC Santos, gegen den HSV zu spielen. Da ich dazu ausersehen war, gegen ihn zu spielen – einer mußte es ja zunächst –, stand ich schnell im Mittelpunkt von Frotzeleien und anzüglichen Bemerkungen, die alle das Mißverhältnis unseres Leistungsvermögens betrafen. Meine Hinweise auf andere bekannte europäische Fußballspieler, gegen die ich bestanden hatte – Suarez von Barcelona, McIllroy von Burnley etwa –, nötigten allen nur ein mitleidiges Lächeln ab. Und unausgesprochen blieb: Ja, aber Peté!

Um es vorwegzunehmen, die Skepsis war berechtigt. Pelé hielt, was man sich von ihm versprochen hatte, sein Nimbus blieb unangetastet. Bei meinen europäischen Kontrahenten war ich bis an die Grenzen meiner physischen und seelischen Kräfte gefordert worden, da das hohe Ziel einer Europameisterschaft auf dem Spiele stand und der Gegner vom gleichen Ehrgeiz getrieben wurde. Eigentlich waren mir meine erwähnten Gegenspieler überlegen, aber ich widerstand ihnen durch Mobilisierung aller Kräfte und höchste Konzentration. Es waren für mich Ausnahmeleistungen, was bei ihnen Höchstleistungen waren, wobei ich unter dem ersten Begriff etwas verstehe, das man nur wenige Male vollbringt und selbst nicht richtig begreifen kann.