Verteidigungsminister Helmut Schmidt muß sich erneut nach einem neuen Chef für das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) umsehen, nachdem der erst 49jährige Präsident Günther Rabus, ehemaliger Regierungspräsident von Braunschweig, nach knapp halbjähriger Tätigkeit beim BWB in Koblenz plötzlich gestorben ist. Schmidt hatte auf das Organisationstalent von Rabus gebaut und dem Parteigenossen nach einer neuen Kompetenzverteilung und Stärkung des Amtes weitgehend freie Hand gelassen. Bis zur Neubesetzung des Präsidentenpostens wird der bsherige Rabus-Stellvertreter Generalmajor Dietrich Willikens, Diplom-Ingenieur, dessen Aufgaben vor allem dem technischen Bereich der Beschaffung galt, das Amt kommissarisch leiten. Wie man hört, will Schmidt allerdings nicht lange mit der Ernennung eines Nachfolgers für Rabus warten. Einer der potentiellen Präsidenten vor der Rabus-Ära dürfte allerdings kaum noch in Frage kommen. Schmidt hatte Amange des Jahres u. a. den Vorstandsvorsitzenden bei der Rheinstahl Hanomag AG in Hannover, Hans Hockel betreibt jetzt das Rüstungsgeschäft der Rheinmetall GmbH in Düsseldorf, wo er Vorstandsmitglied und Rüstungs-Manager wurde. Zu Jahresbeginn hatte Höckel sich noch für Koblenz interessiert („ich hätte das als nationale Aufgabe gesehen“) und dafür auch seine Gehaltswünsche reduziert, allerdings kaum auf das Niveau eines BWB-Präsidenten-Salärs (rund 5000 Mark). Mehr Geld hätte Schmidt aber kaum herauswirtschaften können.

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Wilhelm Krelle, Bonner Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften, wurde von der Bundesregierung zum Kronzeugen dafür ernannt, daß die Konzentration des Eigentums sn gewerblichen Unternehmen unverkennbar stark ist. In dem Vermögensbildungsbericht der Regierung, der offiziell erst im Herbst veröffentlicht werden soll, jedoch unter der Hand bereits auf den üblichen „vertraulichen Wegen“ in Bonn gehandelt wird, schließt sich die Regierung den Verteilungs-Untersuchungen von Krelle an und kommt zu dem Ergebnis: „Die Verteilung des Vermögens zwischen den einzelnen sozialen Gruppen ist nach wie vor unbefriedigend.“ Dies bedeutet Aufwind für die hartnäckigsten Umverteilungs-Politiker in der Regierung. Für Arbeitsminister Walter Arendt und seinen Staatssekretär Herbert Ehrenberg sind die Krelle-Forschungen jedenfalls Bestätigung eigener Theorien, was ihre Stellung im Kabinett stärkt.

Otto Wolff von Amerongen, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, warnte die Regierung davor, allzuviel Eile im Zusammenhang mit der Diskussion um ein offizielles Warenabkommen mit der Volksrepublik China an den Tag zu legen. Wolff, der traditionelle Beziehungen zu Rußland unterhält und sich auf den Osten auch sonst gut versteht, meinte, Bonn solle es Peking überlassen, einen offiziellen Vorstoß zu unternehmen, dann jedoch nicht nein sagen.

Im übrigen klagte Wolff darüber, daß sich die deutsche Wirtschaft zu wenig um die Märkte des Fernen Ostens kümmerte. Der DIHT-Präsident und Stahlunternehmer plädierte auch für ein weitergehenderes Interesse der deutschen Wirtschaft in Übersee, zumal der angespannte Arbeitsmarkt und der damit verbundene Lohnkostendruck in der Bundesrepublik immer noch problematischer werde und den Wettbewerb der Wirtschaft schwieriger gestalte. Der industriellen Entwicklung in der Dritten Welt stehen solche Überlegungen ebenso wie der immer erkennbarer werdende Trend zur arbeitsteiligen Welt gewiß nicht im Weg.

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Die deutsche Industrie will sich stärker als bisher der Auseinandersetzung mit der radikalen Linken stellen, die der Wirtschaft vorwirft, sie investiere in der Dritten Welt speziell zu Ausbeutungszwecken. Matthias Schmitt, Vorstandsmitglied bei AEG-Telefunken, Professor und ganz früher einmal Ministerialrat im Wirtschaftsministerium, strebt an, die publizistischen Möglichkeiten für die Industrie auszubauen. Die Unternehmen sollten eine bessere Imagepflege betreiben, meinte er kürzlich in Köln.