Nach der Aufnahme der Briten in die EWG, also ab Januar 1973, wird Europa in seiner Entwicklung zunächst einmal auf der Stelle treten: Briten, Dänen, Norweger und Iren sollen sich binnen fünf Jahren anpassen. Und das heißt zumindest in den ersten zwei Jahren Stillstand, fürchten Brüsseler Sachkenner. Daher sollen noch vor Englands Beitritt einige neue Tatsachen geschaffen werden. Ein solcher Bereich wäre die europäische Handelsgesellschaft.

Ziel der neuen EWG-Aktivitäten ist es, Westeuropas Konzerne bis 1980 auf amerikanisches und japanisches Niveau zu bringen. Fusionen zwischen westeuropäischen Firmen werden in vielen Industriebereichen unerläßlich. Doch die Schwierigkeiten sind beträchtlich.

Noch in den sechziger Jahren waren die EWG-Länder der Auffassung, die Europa-AG interessiere nur kleine und mittlere Firmen, die sich keine eigenen Verkaufsorganisationen in Nachbarländern leisten können. Der Standpunkt hat sich als falsch erwiesen – die heutigen Maßstäbe für Unternehmen erfordern auch die Fusionen der Großen und somit die Erleichterung von Zusammenschlüssen durch ein europäisches Gesellschaftsstatut.

Die europäische Kommission legte vor einem Jahr unter der Federführung des deutschen Kommissionsmitgliedes Hans von der Gröben einen Statutenentwurf mit rund 260 Artikeln vor.

Der Entwurf wurde vom EWG-Ministerrat zwar schnell dem europäischen Parlament und dem Wirtschafts- und Sozialausschuß (WSA) der Gemeinschaft, die beide beratende Funktionen haben, zugeleitet. Doch die Beratungen der Parteien werden noch einige Zeit dauern.

Die Regierungen jedoch drängen auf Eile. So schlug der deutsche Justizminister Jahn im Rat der EWG vor, unter den Regierungen schon einmal mit der Arbeit am Statutenentwurf zu beginnen. Der Deutsche fand die Unterstützung des französischen Justizministers Pleven. Auch Hollands Justizminister begrüßte die Initiative.

Doch Italiens Vertreter lehnte ab – als einziger. Der Grund war eine gesellschaftspolitische Kontroverse. In dem Statutenentwurf ist die Mitbestimmung für die Euro-AG vorgesehen: Mindestens ein Drittel der Aufsichtsratmitglieder sollen Arbeitnehmervertreter sein; die Betriebssatzung kann eine höhere Quote festlegen; mit Zweidrittelmehrheit können die Arbeitnehmer auf die Mitbestimmung verzichten.