Israels Außenminister Eban erklärte am Wochenende, es sei „ein perfekter Besuch“ gewesen. Außenminister Scheel bezeichnete seine viertägige Reise nach Israel als nützlich: Sie habe eine Annäherung der Standpunkte gebracht und die freundschaftlichen Beziehungen bestätigt.

Zu Anfang hatte es allerdings ausgesehen, als herrsche eine anhaltende Verstimmung zwischen beiden Staaten. Der Empfang des Bonner Außenministers war kühl und von antideutschen Demonstrationen begleitet. Bei den Gesprächen kam Jerusalem sofort zur Sache: Hatte Bonn, als es dem gemeinsamen Nahost-Papier der EWG zustimmte, die englische Version der UN-Resolution Nr. 242 im Sinn: „Rückzug aus besetzten Gebieten“ oder die französische Auffassung: „Rückzug aus den besetzten Gebieten?“

Scheel zerstreute das Mißtrauen. Er versicherte, daß er nicht als Emissär der Sechs gekommen sei und für Bonn die UN-Resolution als verbindlich nehme – eine Erklärung, die in Paris sofort Verstimmung ausgelöst hat. Nach einer bisher nicht bestätigten Veröffentlichung der Welt am Sonntag heißt es nämlich in dem EWG-Papier unter Punkt zwei: Rückzug der israelischen Streitkräfte aus den eroberten Gebieten zu den Grenzen vom Juni 1967 – mit leichten, von beiden, Seiten vereinbarten Korrekturen. Dieses Papier, von Paris angeblich der UN zugespielt, soll auch dem israelischen Geheimdienst in die Hände gefallen sein. In Israel gilt es allgemein als Beweis für eine eindeutige proarabische Haltung der EWG.

Ein Nahost-Frieden durch freie Verhandlungen, zu dem sich Scheel bekannte, ist freilich in weiter Ferne. Nach einwöchigen Geheimbesprechungen zweier amerikanischer Diplomaten lehnte die ägyptische Führung die neue US-Initiative rundweg als „Theaterdonner“ ab. Wie es heißt, war darin ein israelischer Rückzug vom Kanalufer um 15 Meilen vorgesehen.

Vizepräsident Agnew machte dagegen auf seiner diplomatischen Weltreise in Addis Abeba klar, daß Amerika keinen Drück auf Israel ausüben wolle und könne. Gerade dieser Verdacht war in Jerusalem immer kräftiger kolportiert worden. Washington, so hieß es, könne das israelische Drängen nach mehr und moderneren Waffen dazu benutzen, eine Teillösung für den Suezkanal durchzusetzen.

Verteidigungsminister Dayan drehte Anfang dieser Woche den Spieß um: Ohne verstärkte amerikanische Waffenlieferungen sei an ein Kanal-Abkommen nicht zu denken. Kairo treibe eine doppelzüngige Politik: Es verlange von Washington Einstellung der Waffenlieferungen als Vorbedingung einer Teilregelung und lasse sich zugleich von Moskau mit großen Mengen moderner Waffen beliefern. Am selben Tag meldete der US-Geheimdienst neue sowjetische Waffentransporte (Hubschrauber und Düsenjäger) für die syrische und ägyptische Armee.

Dayans Paukenschlag setzte nur den Schlußpunkt unter eine Reihe israelischer Unmutsäußerungen: Jerusalem befürchtet von einer neuen amerikanischen Nahost-Initiative eine Verschlechterung seiner augenblicklichen Verhandlungsposition. Nach der Kairoer Absage ist es aber fraglich geworden, ob Joseph Sisco, der Nahost-Unterstaatssekretär Washingtons, wie geplant Israel und Ägypten besuchen wird. Am Suezkanal mehren sich die Anzeichen für die ägyptische Ungeduld. Israel beschwerte sich am Dienstag über die 32. Verletzung des Waffenstillstandes seit dem 26. April. Zwei ägyptische Kampfflugzeuge überquerten den Kanal.