Ob die Aktionäre des schwergeprüften Rheinstahl-Konzerns für das Geschäftsjahr 1971 eine Dividende erhalten werden, erscheint mehr als unsicher, zumal im ersten Halbjahr das Geschäftsergebnis praktisch mit plus/minus null abschloß. Schon die Dividende für 1970 mußte von sechs auf fünf Prozent gekürzt werden, wobei bei einem Gewinn je Aktie von 4,15 Mark nicht einmal dieser bescheidene Satz echt verdient worden ist.

Vorstandsvorsitzender Toni Schmücker stand dann auch nicht an, Überlegungen über einen Dividendenausfall zuzugeben. Die Gesellschaft, die bis 1967 durch eine unglückliche Diversifikationspolitik in eine schwere Krise geraten war, ist noch lange nicht über den Berg. Nachdem für den schwierigen Nutzfahrzeugbereich durch die Kooperation mit Daimler-Benz eine Lösung gefunden wurde und für den Schiffbau-Sektor mit dem Auslaufen der in der Rezession hereingenommenen Festpreisaufträge das Versiegen einer Verlustquelle zu erwarten ist, gerät nunmehr mit dem Stopp öffentlicher Aufträge der Baumaschinenbereich in eine schwierige Lage.

Immerhin ist Schmücker bereit, Verlustgeschäfte radikal auszumerzen. Neben der Produktion von Ackerschleppern und Landmaschinen wurde auch die Container- und Hydraulikfertigung aufgegeben, alles zusammen ein Umsatz von rund einer Milliarde Mark.

Für Rheinstahl sind die außerordentliche Belastung durch die Lohnkostenexplosion und die Wechselkursmanipulation ein Jahr zu früh gekommen. Der benachbarte Krupp-Konzern, der eine ähnliche Entwicklung ein Jahr früher durchgemacht hat, steht schon auf festeren Füßen. Immerhin war es Rheinstahl möglich, aus dem Geschäftsergebnis die Rückstellungen für die besonderen Risiken im Schiffbau und Landmaschinenbau auf 69 Millionen Mark aufzustocken, so daß das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres nicht zuletzt vom Ausgang der Lohnrunde der Metallindustrie im Herbst abhängen wird. mh