Wir wollen froh sein, daß es Narren gibt. Ohne sie hätten wir anderen keinen Erfolg.

Mark Twain

Ohne Musik ins Grab

Alle Vermutungen, der Tod des größten Jazzmusikers würde mit dem größten Aufgebot an Jazzbands betrauert werden und dies alles wahrscheinlich im Geburtsort New Orleans, waren am Ende ganz falsch: Louis Armstrong, am 4. Juli gestorben, wurde fünf Tage darauf im wörtlichen Sinne sang- und klanglos begraben: auf dem Friedhof Flushing im New Yorker Stadtteil Queens, wo er seit 29 Jahren ein unauffälliges Haus zwischen unauffälligen Einfamilienhäusern in einem kleinbürgerlichen Negerviertel bewohnt hat. Im Rüsthaus des 7. Regiments in Manhattan war er einen Tag lang aufgebahrt worden; etwa 20 000 meist schwarze Bürger defilierten an seiner kunstvoll hergerichteten Leiche. In der kleinen Corona Congregational Church seines Viertels wurde er vor 500 geladenen Gästen – darunter ein paar Kollegen seines Fachs – mehr rührselig als jazzig gefeiert. Auf dem entlegenen Friedhof schließlich brachte man ihn in Windeseile und beinahe tonlos unter die Erde, ehe die etwa 200 meist weißen Zuschauer sich auf der Jagd nach Erinnerungsstücken über den Grabschmuck hermachten und die Blumen bis auf die Stiele plünderten. Musik ließen die Brassbands erst Tage darauf zu seinen Ehren erklingen: in New Orleans, wohin er sich ganz offensichtlich nicht mehr hingezogen fühlte. Seine Frau Lucille jedenfalls folgte seinem Wunsch: Er wollte still und unauffällig in den Himmel kommen.

Immatrikulation in Bremen

Ab sofort sind im Studentensekretariat der Bremer Universität die Immatrikulationsformulare für Anfänger und Fortgeschrittene und die Bewerbungsunterlagen für Tutorenstellen zu erhalten. Der Studienbetrieb soll im Oktober aufgenommen werden, und zwar in folgenden Disziplinen: Mathematik, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Sozial Wissenschaften; im Planungsbereich Lehrerbildung für die Studiengänge Geschichte sowie Kommunikation und Ästhetik. Lateinkenntnisse, sind keine Voraussetzung für die Zulassung, wohl aber – wie immer – das Abitur oder die bestandene Vor- oder Abschlußprüfung an einer Fachhochschule oder Ingenieurakademie. Mehr als 450 Studenten werden nicht angenommen; zehn Prozent der Plätze sollen für Ausländer, zehn Prozent für Härtefälle reserviert werden. Bewerber, die es wagen wollen, sich von der Bremer Universität selbst ein Bild zu machen, sollten sich also recht bald um einen Studienplatz bemühen.

Vierundzwanzig Entlassene

Gibt es in Frankfurt, an den Städtischen Bühnen, bereits wieder eine Krise? Peter Palitzsch, einer der vorgesehenen künftigen Mitdirektoren, hat für vierundzwanzig Ensemble-Mitglieder die Verträge nicht erneuert. So verständlich es scheint, daß Palitzsch die neue Spielzeit auch mit einem neuen Ensemble beginnen will – Zeichen eines entschiedenen Neuanfangs, wie sie beispielsweise auch Liebermann für Paris vorhat –, so verständlich ist, daß diese Maßnahme Unruhe hervorgerufen hat. Die sozialen Folgen sind zumindest bedenkenswert und für die Betroffenen gravierend. Nun hat der Gesamtbeirat, das Mitbestimmungsgremium der Bühnen, dem auch Opern- und Ballettvertreter angehören, eine Fristverlängerung der Kündigungen bis zum 25. Oktober erwirkt: Palitzsch wird also seine Entscheidung noch einmal im einzelnen überprüfen können. Er sollte sich dabei weder unter Druck setzen lassen, noch sich der Chance begeben, einzelne Kündigungen aus sachlichen Gründen zurückzunehmen.