Nicht ohne Grund wird das geringe Verständnis zwischen öffentlicher Verwaltung und Privatwirtschaft häufig kritisiert. Und nur selten wird etwas dagegen getan. So etwa wenn Industriemanager hohe Posten in der staatlichen Administration übernehmen.

Amerika zeigt, daß es auch anders geht: Die ersten 31 Teilnehmer eines offiziellen Austauschprogramms Wirtschaft-Verwaltung kehren gegenwärtig an ihre ursprünglichen Arbeitsplätze zurück. Die „President’s Commission on Personnel Exchange“ hat über ein Dutzend Regierungsbeamte zwischen 25 und 40 Jahren für ein Jahr auf einen Posten des mittleren Management vermittelt. Umgekehrt lernte etwa die gleiche Anzahl von Industrie-Managern gleichwertige Funktionen in der amerikanischen Bundesverwaltung kennen.

Die Kommission des Präsidenten für den Personalaustausch wurde noch in den letzten Amtstagen Lyndon B. Johnsons geschaffen. Präsident Nixon berief dann die 15 Mitglieder, von denen elf aus der Industrie kommen. Renommierte Unternehmen haben sich an dem Programm beteiligt: IBM, Lockheed, General Electric, American Airlines und die Bank von Amerika. Auf dem öffentlichen Sektor nahmen zum Beispiel die NASA, das Handelsministerium, die Armee und die Umweltschutzbehörde Gäste aus der Wirtschaft auf.

Die Kommission sucht selbst verantwortungsvolle Tätigkeiten aus. Die Bewerber werden bei persönlichen Vorstellungsgesprächen auf ihre Eignung für einen bestimmten Posten geprüft. Erst danach entscheidet die Unternehmens- oder Behördenleitung, ob sie ein konkretes Angebot macht.

Die Bezeichnung Praktikum wäre also falsch, da selbständige Arbeit in dem für den Teilnehmer jeweils fremden Bereich geleistet wird. Die vom Staat in die Industrie entsandten Beamten wurden bisher auf den Gebieten Management-Informationssystem, langfristige Unternehmensplanung und Operations Research eingesetzt.

Jeder Austausch-Beamte oder -Manager wird von seinem ursprünglichen Arbeitgeber für ein Jahr beurlaubt. Die Bezüge – in der Regel zwischen 15 000 und 30 000 Dollar pro Jahr – richten sich nach der neuen Tätigkeit und werden auch vom neuen Arbeitgeber gezahlt.

Ziel des Programms ist nicht nur die Verbesserung des Verständnisses zwischen Staat und Wirtschaft. Es geht auch darum, neue Gebiete der Zusammenarbeit zu erforschen ben wie etwa Städtebau und Städtesanierung.