Von Wolfgang Hoffmann

Landwirtschaftsminister Josef Ertl ist überzeugt: "Die hätten mir was angetan, wenn ich sie gereizt hätte." Gemeint ist der Eklat von Kiel, wo Ertl von 8000 Bauern niedergeschrien wurde und unter Protest seine Rede abbrechen mußte.

In der Wohnung des Bonner Ministers stand das Telephon derweil nicht’still. Anonyme Anrufer erkundigten sich, "ob der Landverräter noch lebt". Und Ertls Ehefrau mußte sich nicht selten anhören, wie man ihr sagt: "Bis Weihnachten sind Sie Witwe."

Die Saat, die das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes vor Monaten mit der "grünen Faust" gesät hat, droht nun aufzugehen; denn – so Josef Ertl – zur Zeit "reitet der Teufel die grüne Front".

Dies bekam auch Bauernpräsident Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck zu spüren, als in Kiel fünfzig Jungbauern programmwidrig und mit Protestplakaten "Heereman der Weichmann" das Podium der Ostseehalle stürmten und den deutschen Bauerntag in eine Kampfarena umfunktionieren wollten.

Klinkers Garden nahmen Maß. Hans-Jürgen Klinker, Präsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes und CDU-Bundestagsabgeordneter, ist einer der Drahtzieher der seit Monaten anhaltenden Bauernproteste. Ausgerechnet einer der reichsten Landwirte, der seinen Hof bestellen läßt und als Mitglied verschiedener Aufsichtsräte monatlich weit mehr Geld verdient, als sich die meisten Kollegen seines Berufsstandes träumen lassen, macht sich zum radikalen Sprecher der zum Teil selbstverschuldeten Bauernnot.

Seit Monaten heizt Hans-Jürgen Klinker mit Rechtsparolen die Stimmung an und fordert zum Landterror auf. Während Präsident Heereman schon 24 Stunden nach dem Kieler Eklat versöhnlich meinte, "im Interesse einer zukunftsorientierten Agrarpolitik müssen wir uns wieder zusammenraufen", erklärte der als "Chef der grünen Feddayin des Nordens" und als Herr des "grünen Kreml" apostrophierte Klinker forsch, man müsse "mit einem heißen agrarpolitischen Herbst rechnen".