Was Angestellte so über Arbeiter denken

Von Gisela Stelly

Von eh und je und bei allen literarischen Anlassen ist es nie anders gewesen, daß Arbeiter ein Bewußtsein haben und Angestellte eine Mentalität. Die gleichmeinenden Begriffe trennen kaum noch Klassen – fast schon sind es Rassen. Mit Hilfe des Großen Brockhaus kann man das so sehen: Die „Mental“-Menschen, „den Geist angehend“, sind „gedankliche“. Ihre „Mentalität“ erzeugt bei ihnen eine gewisse „Haltung“ und somit auch „Handlungsweisen, die von ihr zu erwarten sind“. Aber: „Im Unterschied zur Ideologie bezeichnet Mentalität nicht die Denkformen und Wertbegriffe, durch die eine soziale Schicht sich deutet, rechtfertigt, zur Aktion bringt...“

Mit einer gewissen Berechtigung ließe sich folgern, daß Ideologie und Bewußtsein auf ähnliche Weise zusammengehören wie Kommunismus und Arbeiter. Dann suggerierte die subtil berechnete Sprachgleichung: Arbeiterbewußtsein = kommunistische Ideologie. Und weiter ließe sich – Brockhaus’scher Deutung zufolge – vermuten, daß der Arbeiter, wenn ihn Bewußtsein befällt, agiert, daß er sich anstatt auf „Haltung“ auf „Denkformen und Wertbegriffe“ verlegt, also auf eine – von der „sozialen Schicht“ geprägte – Ideologie.

„Im Interesse des Betriebes

Bestätigt werden diese sprachlichen Urteile oder Vorurteile in der Studie von

Siegfried Braun und Jochen Fuhrmann: „Angestelltenmentalität – Berufliche Position und gesellschaftliches Denken der Industrieangestellten“; Luchterhand-Verlag, Berlin und Neuwied 1970; Soziologische Texte 63; 568 S., 34,– DM.