Die "Mentalität" dieser Angestellten aus den Klein-, Mittel- und Großbetrieben ist intakt, wenn es darum geht, das wohlbekannte Gegensatzpaar Arbeiter–Angestellte mit Leben anzufüllen. Diesen Gegensatz empfindet "der" Angestellte zum Beispiel, wenn er im "Interesse des Betriebes denkt" und sich "verantwortlich" fühlt – derweil sein Arbeiter-Kollege "egoistisch" nur seinen Lohn nachzählt, seinen Beruf nur als Tätigkeit sieht.

Die befragten 514 Angestellten meinen, ihnen sei ihr Gehalt weniger wichtig als der innere Gehalt ihrer Beschäftigung. Der Arbeiter hingegen wechsele Arbeitsplatz und Betrieb, kaum daß ihm mehr geboten worden sei (freilich nur an Lohn). Den Angestellten erscheint es "unfair, eine Arbeitsmarktsituation auszunützen und massive Forderungen zu stellen". Arbeiter hingegen sind materialistisch. Auch wollen sie zeigen, was sie haben, können deshalb nicht rechnen und verpuffen für "übertriebene Anschaffungen" ihr Geld. Angestellte wiederum sehen nicht so sehr auf Äußerlichkeiten, sie sind "individualistischer", arbeiten mehr an ihrer Persönlichkeit und an ihrer Bildung.

"Arbeiter sind heute zwar viel selbstbewußter als früher, aber ein bestimmter Minderwertigkeitskomplex’ ist immer noch sichtbar, der sie auch zu einer massiven Vertretung ihrer Interessen antreibt und ihrem Materialismus zugrunde liegt. Interessenvertretung ist für die Angestellten von sekundärer Bedeutung, weil ihr Individualismus‘ ihnen auch ohne diese Stützen erlaubt, sich einzurichten oder durchzusetzen." So, resümieren die Autoren, schätzen die Angestellten die Arbeiter ein.

Manche white-collar-Arbeiter reden, als ob es sich bei den "Arbeitern der Faust" um eine andere Menschengattung handele. Selbst "aufgeklärte" Befragte können sich das Anderssein letztlich nur durch das Anderssein erklären: "Ich möchte dem Arbeiter nicht das kulturelle Interesse absprechen, aber durch die Ausbildung der Angestellten ist doch eine gewisse größere Zuneigung zu geistigen und schönen Dingen da als beim Arbeiter. Sicherlich, man darf das nicht verallgemeinern, aber im allgemeinen ist dem Angestellten ein größeres Persönlichkeitsgefühl zu eigen. Er sucht nicht so sehr die Geborgenheit der Masse." (Diplomingenieur, geboren 1932.)

Während das "gesellschaftliche Denken" der befragten Industrieangestellten das Vorurteil der traditionellen Trennung von Büro und Betrieb widerspiegelt, wird die "berufliche Position" schon nicht mehr nach dem alten Schema wahrgenommen. Braun und Fuhrmann unterscheiden vier größere und kleinere Gruppen, die unter folgende Kategorien fallen: "Arbeitsrationalität" (1. Hauptgruppe), "Erfolgs- und Aufstiegsdenken" (2. Hauptgruppe), "Arbeitsplatzdenken" (3. Gruppe) und "Arbeitsmoral" (4. Gruppe).

Im Gegensatz zu den Denkgewohnheiten der drei letzten Gruppen repräsentiert die Gruppe "Arbeitsrationalität" die moderne Angestelltenmentalität. Es ist die Kerngruppe der 25- bis 40jährigen Angestellten, die vorwiegend Techniker sind oder qualifizierte kaufmännische Angestellte. Sie haben "ein nüchternes, realistisches Verhältnis zur eigenen Arbeitssituation. Man pocht nicht auf einen allgemeinen sozialen Status des Angestellten, der ideale oder illusionäre Erfolgserwartungen rechtfertigen könnte". Sie sehen sich als "qualifizierte Arbeiter", die durch Fachkenntnisse eine selbständige Stellung auf dem "Fußgängerweg" erreicht haben. Volksschüler und häufig frühere Arbeiter gehören zu dieser Gruppe.

Hauptgruppe 2 vereint die Karrierebewußten. Ihnen ist der "soziale Status und die Nähe und Ferne zu den leitenden, manageriellen Positionen" wichtig. Die oberen Schichten sind der Maßstab der eigenen Werte. Daß sich diese Erfolgsdenker weit häufiger aus dem Pulk der kaufmännischen Angestellten und weniger aus dem der Techniker erheben, erklärt nicht zuletzt die Form ihrer Tätigkeit: Techniker sind fachlich bestimmt, vom Sachzwang, Kaufleute aber werden von der Hierarchie bedrängt und spüren die Statusunterschiede in der Verwaltung. Auch haben sie meist eine höhere Schulbildung, und die verpflichtet.