Zu diesen einundzwanzig Prozent gehören auch jene, die meinen, nur eine individuelle Einstufung nach menschlichen Werten und persönlichen Leistungen könne der Maßstab sein: "Es gibt in der Gesellschaft doch Gruppen und Schichten, Gruppen nebeneinander und Gruppen übereinander. Es wird wahrscheinlich auch jeder Mensch seine Rangskala so für die Gesellschaft haben. Für mich würde es darauf ankommen festzustellen, ob der eine oder andere ein vernünftiger Mensch ist, ob er gelernt hat, sich menschlich zu verhalten, und dann vielleicht noch, ob er einen gewissen Ehrgeiz hat, ob er weiterkommen will." (Verkaufsingenieur, geboren 1900.)

Es ist nicht so sehr die soziale Herkunft, die bei dieser Selbsteinstufung eine Rolle spielt. Welcher Gewerkschaft einer zugehört (ob dem DGB oder der DAG), ob sich einer öffentlich betätigen will oder nicht, ob einer technischer oder kaufmännischer Angestellter ist – von solchen Fragen wird das Denken über die eigene und damit auch über die politische Situation des Angestellten beeinflußt. "Es sind also Elemente der sozialen Denkweise, die bei der Herausbildung der Gruppen eine Rolle spielen. Solche Elemente sind die spezifische Rationalität der Techniker und die politische Rationalität der DGB-Mitglieder in den Mitbestimmungsbetrieben und generell aller, die sich öffentlich betätigen. Sie orientieren sich im Gegensatz zur Gegengruppe der Kaufleute, DAG-Mitglieder und gegenüber der Öffentlichkeit Distanzierten an Interessen und erst in zweiter Linie an Statusproblemen."

Die leitenden Angestellten gehören – nicht nur ihres Status wegen – nicht zu den Befragten mit "Angestelltenmentalität". Es wäre nur komisch, ihr Denken so zu bezeichnen. Eher nimmt man es ihnen schon ab, "Manager des Kapitalismus" zu sein:

Helge Pross / Karl W. Boetticher: "Manager des Kapitalismus – Untersuchung über leitende Angestellte in Großunternehmen"; edition suhrkamp 450; Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1971; 148 Seiten, 4,– DM.

In dieser "Untersuchung über leitende Angestellte in Großunternehmen" herrschen klare Verhältnisse: Der Hut, den sich die neue Schicht der angestellten Unternehmer aufgesetzt hat, paßt gewiß nicht auf jeden Kopf. Vielmehr: die Größe ist genormt. Und so läßt sich aus Prokuristen, Direktoren und Vorstandsmitgliedern ohne viel Mühe der "leitende Durchschnittsangestellte" errechnen.

Dieser höchste Durchschnitt gedeiht in einer protestantischen Beamten- (oder Angestellten-) familie. Die Eltern leben in der Großstadt und sind wohlhabend. Sie können den Sohn auf die Oberschule schicken und Spezialausbildungen finanzieren. Und damit beginnt die Laufbahn, denn: "Die Eltern fördern das Fortkommen der Söhne weniger durch Hinterlassung größerer Kapitalien als durch den Erziehungsprozeß. Sie waren selbst weit genug avanciert, um gegen die den Aufstieg hemmende Mentalität der Hoffnungslosigkeit in den Unterschichten immun zu sein und zugleich den Oberschichten so nahe, daß diese als Vorbild und Ansporn dienten." Allerdings: Geld allein tut es nicht.

Die Mittelschicht-Mutter erweckt und spornt schon frühzeitig den "Leistungswillen" ihres Kindes an – im Gegensatz zu den Müttern der unteren Schichten, die bei ihren Kindern vor allem auf Ordnung und Pünktlichkeit achten. Das Berufsleben und das Leben im Beruf regeln beide Mütter auf ihre Weise: Sie sorgen dafür, daß pünktliche und ordentliche Arbeiter, Beamte und Angestellte ihre leistungsstarken Bosse haben und umgekehrt.