Hannover

Deutscher Autofahrer, picknicke! Diese frohe Parole ging jüngst durch den deutschen Blätterwald. Ausgegeben wurde sie von der Fachabteilung Autobahn-Raststätten im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Falsches Essen – vielleicht Schnitzel oder Sauerkraut – trifft fortan der Gastronomen Bannfluch. Jetzt soll der wissenschaftlich zusammengestellte Schnellimbiß, das "leckere Urlaubsvergnügen" für müde Menschen am Steuer die Eßgewohnheiten revolutionieren.

Der Vereinigung Getreidewirtschaftliche Marktforschung, der Centralen Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verdanken wir dabei die Erkenntnis, daß Brot des Autofahrers ideale Speise sei. Brot und natürlich noch etwas dazu: zwei kleine Dosen Wurst, je 20 Gramm Butter und Käse, ein hartgekochtes Ei, ein Apfel und eine Tomate, ein Riegel Schokolade, eine Tüte Salz und eine Tüte Pfeffer; alles zusammen für 3,50 Mark.

Doch trotz verlockender Plakate, aufwendiger Prospekte und popiger Verpackung der Lunch-Pakete picknicken die Autofahrer nicht. Viele Autobahn-Raststätten führen die lauthals angekündigten – Autobahn-Snacks schon gar nicht mehr, andere halten sie lustlos irgendwo unbemerkt bereit, ja, es wird mancherorts sogar die Parole ausgegeben, die Snack-Aktion sei wegen totalen Mißerfolgs ganz schnell wieder eingestellt worden.

So schnell wollen die Verantwortlichen freilich die Snack-Pleite nicht zugeben. Vorsichtig distanziert man sich aber schon von der Urheberschaft. Beim Hotel- und Gaststättenverband läßt man durchblicken, daß man ohnehin nur widerwillig an diese Aktion herangegangen sei, die Initiative komme vielmehr vom ADAC. Der ADAC wiederum beruft sich auf eine Raststätten-Umfrage seiner Zeitschrift Motor-Welt, in der die Kraftfahrer ein solches Lunch-Paket verlangt hätten. Unter der Hand hört man aber auch aus der Münchner ADAC-Zentrale, daß man von der Sache nicht viel halte.

Böse Zungen behaupten, die ganze Snack-Aktion sei ohnehin nur eine verkappte Werbeaktion der Brotindustrie. Ferdinand Ranft