In der Ausstellung wird unterschieden zwischen "plakativen", "dekorativen" und "illustrativen" Umschlägen. Da es sich bei diesen Epitheta nichtum ausschließende Beschreibungsmerkmale handelt, ist dieser Versuch einer Typologie mit Vorsieht zu genießen: Ein Umschlag kann dekorativ und illustrativ zugleich sein (Thomas Theodor Heine), illustrativ und plakativ (John Heartfield), plakativ und dekorativ (Peter Behrens) – oder alles zusammen (Marcus Behmer).

Genausowenig wie sich hierbei Kriterien der Darstellung eindeutig fixieren lassen, lassen in der Abteilung "Zeittendenzen" die verwendeten Gestaltungsmittel immer den richtigen Rückschluß auf den ideologischen Standpunkt des Entwerfers zu: Mjölnirs – hinter diesem Pseudonym verbarg sich ein braungermanischer Kulturfunktionär – Umschlag für Goebbels’ "Kampf um Berlin" (ein Beispiel "konservativer" Gestaltung) ist ein unbeholfener Ableger der damals verfemten, "progressiven" Photomontage, während der von George Grosz für Leonhard Franks "Von drei Millionen drei" (1932), "als progressiv" eingestuft, bereits einen kräftigen Vorgeschmack des Umschlag-Elends der BluBo-Tendenzfolklore gibt.

Heartfield hatte gelegentlich Ärger mit seinen Umschlaggestaltungen, einige mußten auf richterliche Verfügung verändert werden oder wurden verboten. Ansonsten scheint das Außenbild der Innenwelt von Büchern den Staatsanwalt wenig beschäftigt zu haben. Wieso sollte man vorher konfiszieren, was später doch weggeworfen wurde... Helmut Schneider