Aus dem angeschlagenen Hamburger Bankhaus Möhle & Co soll jetzt eine der größten Privatbanken der Hansestadt werden, Sie soll mit einem haftenden Kapital von etwa 50 Millionen Mark ausgestattet und in „Hamburgische Handelsbank GmbH & Co KG“ umbenannt werden. Diese für eine Privatbank seltene Gesellschaftsform erklärt sich aus der peinlichen Vergangenheit der Möhle-Bank. Sie macht es den neuen Gesellschaftern offensichtlich schwer, sich offen zu ihrem Kind zu bekennen, zu dem sie zum Teil auf recht unerwünschte Weise gekommen sind.

Um die Jahreswende 1970/71 war es kaum noch zu verheimlichen gewesen: Die Möhle-Bank befand sich in Schwierigkeiten. Der damalige Kommanditist, Hans Schäfer aus Halle/Westfalen, schied aus. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, zu den Verhältnissen bei Möhle befragt, hüllte sich in Schweigen. Im Januar 1971 schied dann auch der Alleininhaber Ernst Schacht, gleichzeitig Präsident des Fußballklubs FC St. Pauli in Hamburg, aus. Nach langen Verhandlungen gelang es der Bankenaufsichtsbehörde, einen Weg zu finden, der bei Möhle einen Krach verhinderte.

Viel Mithilfe konnte die Bankenaufsicht aus dem Bankgewerbe allerdings nicht erwarten. Einige Bankiers sind auch heute noch der Meinung, daß die Behörden in der Zulassung Schachts als verantwortlichem Leiter eines Kreditinstituts leichtfertig gehandelt hatten. Hamburgs Bankiers nahmen Schacht deshalb auch nicht in ihren Verband auf. Um die Zulassung zur Hanseatischen Wertpapierbörse hat er sich jahrelang vergeblich beworben. Ihm fehlten vor allem die dazu erforderlichen zwei Bürgen – und als er sie schließlich doch noch fand, (ein Privatbankier und das Vorstandsmitglied einer Sparkasse), da machten sie ihre Bürgschaft von Bedingungen abhängig, die Schacht nicht erfüllen konnte.

Argwöhnisch betrachtete man in Hamburg die Geschäfte der Möhle-Bank, die sehr schnell von einem recht bedeutungslosen Haus zu einem Institut mit einer Bilanzsumme von etwa 80 Millionen Mark expandierte. Der breiteren Öffentlichkeit wurde Möhle im Zusammenhang mit der Plazierung der Aktien der Fluggesellschaft Atlantis AG bekannt, für die Schacht eine Provision von stattlichen 30 Prozent kassierte und daran einige Millionen verdiente. Seine Geschäftstüchtigkeit nahmen die Atlantis-Aktionäre jedoch übel und erteilten ihm keine Entlastung, so daß Schacht aus dem Atlantis-Aufsichtsrat verschwand. Für einen Privatbankier ein unerhörter Vorfall.

Möhle beschäftigte sich nicht nur mit der Flugzeugfinanzierung. Daneben wurde die Bauzwischenfinanzierung im In- und Ausland betrieben, ohne Zweifel eine risikoreiche Sparte. Dazu kam das Wechseldiskont- und Kontokorrentgeschäft.

An der Elbe hatte man sich lange Zeit gefragt, wer die Haupteinleger der Möhle-Bank waren. Schacht suchte zwar durch Zeitungsanzeigen Einlagen und zahlte überdurchschnittliche Zinsen, aber er mußte auch noch andere Quellen besitzen.

Als es dann nicht mehr weiterging und offenbar Verluste – man munkelt von zweistelligen Millionenbeträgen – eingetreten waren, fielen die Vorhänge: Hauptgläubiger war die schweizerische Hoffmann-La-Roche-Gruppe, die Banque Commerciale S. A. in Luxemburg und der Banco del Noreste mit Hauptsitz in La Coruña.