Wie ein so angesehener Schweizer Konzern in Geschäftsbeziehungen zur Möhle-Bank treten konnte, ist den Hamburger Bankiers auch heute noch unerfindlich. Es heißt allerdings, daß die Ausländer aus Hamburg "gute Auskünfte" bekommen haben sollen. Dabei soll Ernst Schacht sogar in familiären Zusammenhang mit Dr. Hjalmar Schacht, dem früheren Reichsbankpräsidenten, gebracht worden sein.

Möhles Hauptgeldgeber entschlossen sich, das Bankhaus auf eigene Rechnung weiterzuführen. Dazu mußten sie ihren verlorenen Millionen zunächst gutes Geld "nachwerfen", in der Hoffnung, auf lange Sicht alles zurückzugewinnen.

Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Der von der Bankenaufsichtsbehörde eingesetzte Geschäftsführer Dr. Jäger wird demnächst durch Dr. Heinz Lotze und Fritz Stratmann ersetzt werden. Beide sind persönlich haftende Gesellschafter des Duisburger Bankhauses August Glocke & Co KG. Beide bringen etwa 19 Millionen mit. Allerdings nicht aus eigener Tasche, sondern über die IFA AG für Investitionsförderung, ein Unternehmen, das sich stark im Abschreibungsgeschäft in Südwesteuropa betätigt. Hier wird eine Verbindung zu der spanischen Banco del Noreste zu suchen sein.

Es gibt noch einen interessanten Faden zum Ferienhaus-Geschäft. Möhle-Geschäftsführer Dr. Jäger ist jetzt gerade in den Aufsichtsrat der Contracta International AG, Vaduz, gewählt worden. Er vertrat auf der Hauptversammlung 40 Prozent des Contracta-Kapitals, war aber nicht bereit zu sagen, wer hinter diesem Paket steht. Angeblich soll es sich um eine private deutsche Gruppe handeln. Damit wären die Spekulationen über ein Engagement der Hoffmann-La Roche-Gruppe gegenstandslos geworden.

Als voraussichtlicher Vorsitzender des Aufsichtsrats der neuen kapitalkräftigen Bank wird Dr. Hans Salb, Alleininhaber des Bankgeschäftes Mertz & Co in Hamburg und seit kurzem Konsul von Malta, den Start des Instituts überwachen. Mertz & Co besitzt wiederum die Hälfte des Glocke-Kapitals. Kurt Wendt