Eine europaische Atomgemeinschaft auf privater Basis haben in Brüssel sechs Reaktorbauer gegründet: aus der Bundesrepublik die Kraftwerk Union und die Interatom, aus Großbritannien The Nuclear Power Grcup, aus Belgien die Belgonucleaire, aus Holland die Neratoom und aus Italien Agip Nucleare. In sieben verschiedenen Abkommen, die eine Laufzeit von zehn Jahren haben, wird der Austausch von Lizenzen und von Know how, die Kooperation beim Vertrieb von Kernkraftwerken in Drittländern sowie die Lieferung von Kernbrennstoffen geregelt.

„Wir können selbst dem amerikanischen Riesen, der General Electric, die Stirn bieten“, war aus dem Kreis der Verhandlungspartner in Brüssel zu hören. In der Gruppierung sind mit der Kraftwerk Union und der Nuclear Power nicht nur die potentesten Kraftwerkbauer vertreten, auch in der Forschung und Entwicklung werden alle erfolgversprechenden Richtungen von den bereits eingeführten Reaktoren bis zu den schnellen Brütern verfolgt.

Der einzige Partner, den man in diesem Kreis gern gesehen hätte, der aber nicht beitrat, waren die Franzosen. Sie haben sich in den letzten Jahren durch Lizenzverträge so stark an die amemanische General Electric gebunden, daß sie die Bewegungsfreiheit der privaten Euratom über Gebühr eingeengt hätten.

Die Kraftwerk Union und The Nuclear Power Group (TNPG) haben von den europäischen Firmen bislang die meisten Kernkraftwerke errichtet. Während das britische Unternehmen graphitmoderierte, gasgekühlte Reaktoren vorwiegend in Großbritannien errichtet, umfaßt die Palette der Kraftwerk Union alle Typen von Leichtwasserreaktoren.

Erste Beispiele einer Kooperation zwischen TNPG und der Kraftwerk Union hat es bei den Angeboten für Kernkraftwerke in Australien, Brasilien und Thailand gegeben. Aus dieser Zusammenarbeit ist die jetzt in Brüssel vereinbarte Kooperation auf breiter europäischer Grundlage entstanden. kam