Schwerbewaffnete Polizeieinheiten führten am Donnerstag letzter Woche auf Veranlassung der Sicherungsgruppe Bonn und des Generalbundesanwalts eine Großfahndung in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen durch, bei der mehrere Personen festgenommen wurden. Im Verlauf der Aktion kam es zu einer Schießerei, bei der die 20jährige Petra Schelm getötet wurde.

Im Rahmen des Großeinsatzes der Polizei, der nach offizieller Sprachregelung bewaffneten Autodieben galt, wurden allein im Raum Hamburg 20 ständig wechselnde Straßenkontrollpunkte errichtet. Die Polizei suchte in Wahrheit Mitglieder der sogenannten Baader-Meinhof-Bande. Da bekannt ist, daß diese vorzugsweise gestohlene BMW-Fahrzeuge benutzen, konzentrierte sich die Polizei auf Wagen der bayerischen Firma.

Ein BMW-Fahrer durchbrach in Hamburg die Beamtenkette, wurde jedoch von einem Polizeifahrzeug gestoppt und floh mit seiner Begleiterin zu Fuß weiter; beide gaben dabei insgesamt 15 Schüsse aus 9-mm-Pistolen auf die Polizisten ab. Der Mann wurde gefaßt. Es handelt sich um den ehemaligen Hafenarbeiter Werner Hoppe, 22 Jahre alt. Die Frau wurde von einem verfolgenden Polizeibeamten mit der Maschinenpistole erschossen.

Die Deutsche Presseagentur meldete zunächst, die Tote sei Ulrike Meinhof; die Nachricht mußte jedoch rasch wieder dementiert werden. Es war die 20jährige Petra Schelm. Sie stammt aus Berlin, hatte dort als Friseuse gearbeitet und sich dem „Arbeitskreis Mieten und Wohnen“ angeschlossen, der nach Mutmaßungen der Polizei unter dem Einfluß von Gruppen um Horst Mahler und Ulrike Meinhof stand. In diesem Kreis, der sich um die Resozialisierung von gesellschaftlichen Randgruppen kümmerte, spielte Petra Schelm aber allem Anschein nach nur eine untergeordnete Rolle. Sie wurde seit dem Frühjahr auf Grund eines Haftbefehls des Bundesgerichtshofes wegen Beteiligung an einer „kriminellen Vereinigung“ – der Baader-Meinhof-Gruppe – gesucht.

Bald nach ihrem Tod wurden in Berlin Zeichen einer erneuten Radikalisierung bemerkt. Auf Handzetteln riefen Unbekannte zur „Rache für Petra“ auf und forderten: „Genscher muß hängen!“