Bei der Continental Gummi-Werke AG, Hannover, und Phoenix Gummiwerke AG, Hamburg-Harburg, wird auf die Fusion beider Unternehmen zugesteuert. Vorerst soll ein Zusammenarbeitsvertrag abgeschlossen werden „unter Aufrechterhaltung eines leistungsfördernden Wettbewerbs zwischen den Marken Continental und Phoenix“. Mit diesem Zusatz soll vor allem die Automobilindustrie beruhigt werden, die einem Zusammengehen ihrer Lieferanten, die sie bisher gegeneinander ausspielen konnte, nicht gerade freundlich gegenübersteht.

Der Zusammenschluß von Markenartikel-Firmen wirft erhebliche Probleme auf. Zu leicht könnten bei einer Fusion wertvolle Marktanteile verlorengehen. Echte Rationalisierungsgewinne ließen sich am ehesten auf dem Gebiet der technischen Artikel erzielen, von denen aber vorerst nur wenig die Rede ist.

Immerhin gibt es schon Arbeitspapiere, zusammengestellt von den Vorständen beider Unternehmen. Die Aufsichtsräte kennen sie – und damit auch die Großaktionäre, die letztlich ja zur Fusion sagen müssen. Zwangsläufig haben also die Paketbesitzer einen Informationsvorsprung. Das ist, meine verehrten Leser, nach Lage der Dinge nicht zu ändern. Ob die Großaktionäre (bei Conti-Gummi ist es mit offiziell „fast“ 25 Prozent die Deutsche Bank, bei Phoenix mit mehr als 30 Prozent die Münchener Rückversicherung, mit mehr als 25 Prozent die Deutsche Bank und mit ca. 23 Prozent die Gruppe Moritz Erben) aus ihrem Wissen Nutzen ziehen können und werden, steht auf einem anderen Blatt.

Eines scheint mir ziemlich sicher zu sein: Die Fusion wird kommen müssen, weil der harte Wettbewerb auf dem Reifengebiet, verschärft durch die Ausländer, einfach dazu zwingt, alle Rationalisierungsmöglichkeiten auszuschöpfen. Gelöst werden muß dann aber nicht nur die „Marken“-Frage, sondern darüber hinaus sind noch die Klippen des Kartellgesetzes und schließlich auch die Bewertungshürden zu überwinden.

Um die Bewertung der beiden Unternehmen wird es heftige Auseinandersetzungen geben. Auf den Hauptversammlungen beider Gesellschaften ist deutlich geworden, daß in beiden Lagern recht unterschiedliche Meinungen über den Wert der Gesellschaften bestehen.

Am drastischsten äußerte sich zu dieser Frage Dr. Georg von Opel, ehemals Großaktionär von Conti und dort lange Zeit Aufsichtsratsvorsitzender: „Phoenix geht an zwei Krücken, Conti nur an einer!“ Auf der Phoenix-Hauptversammlung ging es vornehmer zu. Anhand von Bilanzvergleichen versuchte ein Aktionär klarzumachen, daß Phoenix solider fundiert ist als Conti und auch eine straffere Geschäftspolitik betreibt. Zwar lehnte es Phoenix-Chef Hans Werner Kolb ab, „in der Hauptversammlung über andere Unternehmen zu sprechen“, aber in seiner Rede vor den Aktionären hatte er seine eigene Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung so weit analysiert, daß den Aktionären der „Vorsprung“ gegenüber Conti nicht verborgen bleiben konnte.

Bei Phoenix ist seit jeher eine auf Ertrag ausgerichtete Geschäftspolitik betrieben worden. Das spiegelt sich in der Bilanz wider, wo dem Grundkapital von 50 Millionen immerhin 70,5 Millionen zum größten Teil selbstverdiente offene Rücklagen zur Seite stehen. Das Conti-Kapital beträgt 266 Millionen, die per 31. 12. 70 ausgewiesenen Rücklagen „nur“ 88 Millionen.