In der ZEIT vom 9. Juli 1971 veröffentlichten wir eine Erzählung von Horst Schlötelburg, eine Satire auf die zum Selbstzweck gewordene Industrieproduktion, die sich mit der Herstellung eines Produkts namens Kopak-Pakote beschäftigte. Nun erreichte uns die hier folgende Gegendarstellung.

Herr S. berichtete in einer Ihrer letzten Ausgaben über den Kunststoff Kopak-Pakote. Da ihm hierbei einige grobe, wenn nicht gar böswillige Fehler unterlaufen sind, sehen sich die Kopak-Werke gezwungen, eine Gegendarstellung herauszubringen, deren Formulierung sie mir als Public-Relations-Chef der Firma übertragen haben. Zunächst möchte ich mich entschieden gegen die mehrmals aufgestellte ungeheuerliche Behauptung wehren, unsere Produktion sei sinnlos. Ferner möchte ich feststellen, daß die Anschuldigung, wir vernichteten unsere Produkte sofort nach der Fertigstellung, jeder Grundlage entbehrt. Jedem vernünftig denkenden Menschen wird es einleuchten, daß etwas derartiges in unserer freien Marktwirtschaft (im Gegensatz zu einer Zwangswirtschaft) nicht vorkommen kann. Die Industrie ist immer darauf angewiesen, für den Kunden zu arbeiten. Und gerade bei uns gilt der Grundsatz: „Was wir produzieren, verkaufen wir auch!“

Selbstverständlich besitzen wir einen Kundenkreis, was Herr S. ja schlichtweg verneint. Wenn es mir die Diskretion nicht verböte, könnte ich Namen nennen, die für alle ein Begriff sind. Die Käufer von Kopak-Pakote gehören durchweg den gehobenen sozialen Schichten an. Denn gerade in diesen Kreisen war schon lange ein Bedürfnis nach einem Artikel wie dem unsrigen vorhanden. Unsere Fertigung kommt somit den Wünschen der Kunden entgegen.

Kopak-Pakote kann man lagern, wo man will. Es empfiehlt sich jedoch, für jeden Platz den richtigen Behälter zu wählen. Auf Wunsch liefern wir die Zinkbadewanne für den Keller, den erdgebundenen Safe für den Garten, die Spezialtruhe für das Wohnzimmer und als besonderen Gag das WC-Becken für die Hausbar.

Unsere Pakote sind formschön, hitzebeständig und kratzfest, kurzum unverwüstlich. Sie sind als Kapitalanlage fast so gut wie Gold und auch fast genauso teuer. Pakote haben, heißt „in“ sein. Täglich erreichen uns Dankesbriefe von Menschen, die ihr Ansehen durch den Besitz von Pakote gesteigert haben und allein deshalb in eine höhere Position aufgerückt sind.

Vor einer Marktübersättigung brauchen wir uns nicht zu fürchten, um auch diesem eventuellen Vorwurf entgegenzutreten. Wir drucken auf jedes Pakot deutlich sichtbar die Zahl des Jahres, in dem es gefertigt wurde. Da unsere Kunden, wie ich schon erwähnte, den gehobenen Schichten angehörten, legen sie Wert darauf, jedes Jahr die neuesten Modelle ihr eigen zu nennen.

Allerdings gibt es bei der Beseitigung unmodern gewordener Pakote gewisse Schwierigkeiten. Gewöhnliche Müllverbrennungsanlagen lassen das Material unverändert, weshalb es keinesfalls in die Mülltonne geworfen werden darf. Verbrannt werden könnte es nur im Hochofen, wobei dann allerdings giftige Abgase in die Luft gerieten, die sich dann besonders im Niederschlag bemerkbar machten. Unsere Abnehmer müssen sich also verpflichten, altgewordene Pakote nicht wegzuwerfen. Für eine jährliche Kontrolle der Bestände sorgt unsere Firma.