Wirtschaft

Report aus Bonn

Alex Möller, ehemaliger Finanzminister, las mit Erstaunen, daß noch unter seiner Regie eine Modellre

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DIE ZEIT

Barbarei

Wer nach Vergleichen für das blutige Gemetzel im marrokanischen Königspalast sucht, muß bis ins Zeitalter der Barbaren zurückgreifen.

Bloße Flanken

Der Nato droht Entblößung an den Flanken. Kaum ist der Streit um einen wichtigen Stützpunkt im Süden, die Insel Malta, entbrannt, da kommt auch aus dem Norden unangenehme Kunde: In seiner Regierungserklärung forderte der neue Ministerpräsident Islands, Olafur Johannesson, die Vereinigten Staaten auf, ihre Basis in Keflavik zu räumen.

Zwei Konzepte

Schon der erste offizielle Beschluß eines ihrer Parteiverbände spiegelt das Führungsdilemma der CDU wider: Das Votum der Jungen Union für Rainer Barzel als Kanzlerkandidaten, aber für Helmut Kohl als Parteivorsitzenden zeigt aufs neue, daß die CDU keinen unumstrittenen ersten Mann mehr besitzt.

Reise in das Rote Reich

Dies ist die Zeit, da Fiktionen demontiert und "Gänsefüßchen" gestrichen werden: Präsident Nixon hat Henry Kissinger, seinen engsten Vertrauten, nach Peking gesandt – in die Hauptstadt eines Landes also, das nach Meinung Washingtons gar nicht existiert.

Fragen an Bonn

Auch wer die Berlin-Politik der Bundesregierung grundsätzlich positiv beurteilt, ist manchmal verdutzt über das Ungeschick, mit dem aufkommende Zweifel nicht zerstreut, sondern bestärkt werden.

Die Jagd geht weiter...

Die Hatz lief ab wie in einem schlechten Krimi: 3000 Polizisten pickten in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen an mehr als zweihundert Straßensperren die BMW-Fahrer aus den Autokolonnen.

ZEITSPIEGEL

„In vielen Teilen unseres Vaterlandes rühren sich jetzt die Abwehrkräfte, um rein deutsche Hunderassen zu erhalten, und Sie müssen mit in die Front treten, um unserem deutschen Boxer auch für die Zukunft das Leben als Gebrauchshund zu ermöglichen.

Wilsons europäischer Konjunktiv

Die Wahlplakate sind noch in guter Erinnerung: Heath, Maudling, Douglas-Home, Hogg und Co. als „yesterday men“, die Männer von gestern.

Revolution auf Samtpfoten

Über hundert Studenten versuchen, den Professor für Politische Wissenschaften und außenpolitischen Berater der CDU, Hans-Peter Schwarz, zur „Diskussion“ zu zwingen.

Hanoi – Peking: Notfalls ohne China

Eher mit süßsaurer Miene als mit eitler Freude haben drei Regierungen in Vietnam – Hanoi, Saigon, NLF – die Ankündigung der Chinareise Nixons aufgenommen.

Brandts Bescheidenheit

Der Wechsel im Tonfall ist unüberhörbar. Der Schluß der Regierungserklärung Willy Brandts vom 28. Oktober 1969 hatte wie eine Fanfare geklungen: „Wir stehen nicht am Ende unserer Demokratie, wir fangen erst richtig an.

Katharina Focke, Staatssekretärin im Bundeskanzleramt, antwortet Wieland Europa: Europa ohne zauberformel

Wieland Europas Grabgesang für das Erste Europa, das Europa der „freizügigen Hebammen und Rinderhälften“, und sein Plädoyer für das Zweite Europa, in dem nun endlich die Außenminister, befreit von den kleinen Problemen des niedrigen Alltags, sich diskutierend in den hehren Gefilden klassischer Politik bewegen dürfen, beweist, daß dieser „informierte deutsche Politiker“ wenig von dem verstanden hat, was in Brüssel geschieht.

Kein Ort für Kreuzritter

Ahnungslos und routinemäßig trat der Nachtschichtredakteur des polnischen Monitordienstes von „Radio Freies Europa“ (RFE) in München am Abend des 15.

Sudan: Ruck nach links

Kenner der afrikanisch-arabischen Szene haben den Sturz des sudanesischen Staatschefs vorausgesagt. General Numeiri gelang es in den zwei Jahren seiner Revolutionsherrschaft nicht, seinen Kurs links von der Mitte erfolgreich zu steuern.

Kammer-Konkurrenz

Die Einigung zwischen Koalition und Opposition über das Städtebauförderungsgesetz läßt die Bundesratsabstimmung, die soviel Aufregung verursacht hat, in anderem Licht erscheinen.

Der Lakai und sein Fürst

Der 29jährige Josef hatte ihn sechs Jahre lang bedient. „Er war ein Mensch, wie es keinen anderen mehr gibt“, sagte der blonde Lakai, „alle Leute haben ihn geliebt.

Verschluckt im Klingelpütz

Was immer der spurlos verschwundene ehemalige Strafgefangene Schuster sein mag, in kleiner Geschäftemacher oder ein DDR-Agent, wir verdanken ihm viel.

Lücke in der Luft

Mülheim/Ruhr Theodor Wüllenkemper, 45 Jahre alt, Chef der Westdeutschen Luftwerbung in Mülheim/Ruhr, hat am Himmel eine Marktlücke entdeckt: Er will wieder Luftschiffe bauen.

Rebell im schwarzen Rock

Bundesweit hat sein Fall Aufsehen erregt. Solidaritätsbekundungen helfen dem 31jährigen Ex-Kaplan Heinrich Philippek, das fortzusetzen, womit er vor Jahren begonnen hatte: ein Christentum der Tat zu leben, Mißstände in Gesellschaft und Kirche anzuprangern.

Die Picknick-Pleite

Deutscher Autofahrer, picknicke! Diese frohe Parole ging jüngst durch den deutschen Blätterwald. Ausgegeben wurde sie von der Fachabteilung Autobahn-Raststätten im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband.

Justiz-Licht

"Sollte es zutreffen,... daß der Ehemann einmal von der Polizei, die ihn wegen eines Unfalls suchte, im Bett der Angeklagten vorgefunden worden ist, so kann hierin ein die Ehefrau beleidigender Umstand nicht gesehen werden, da das plötzliche Auftauchen der Polizei im Schlafzimmer nicht vorauszusehen war" (Oberlandesgericht Zweibrücken, Urteil Vs 1/70 vom 28.

Selbstmord inklusive

Wiesbadens Vorort Dotzheim beherbergt eine moderne Jugendstrafanstalt. Ende Juni übergoß sich dort ein 19jähriger technischer Zeichner mit einer Nitro-Mischung und zündete sich an.

Fahndung mit Todesfolge

Schwerbewaffnete Polizeieinheiten führten am Donnerstag letzter Woche auf Veranlassung der Sicherungsgruppe Bonn und des Generalbundesanwalts eine Großfahndung in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen durch, bei der mehrere Personen festgenommen wurden.

EWG-Beitritt: Wilson lehnt ab

„Besser, als es hätte kommen können“, überschrieb die Londoner Times ihren Kommentar zum Labour-Sonderparteitag, auf dem sich die Oppositionspartei am vergangenen Samstag mit dem britischen EWG-Beitritt befaßte.

Keine Debatte über Berlin

Der Versuch der CDU/CSU, am Montag in Bonn im Anschluß an eine außenpolitische Erklärung Minister Scheels eine Berlin-Debatte auszulesen, scheiterte.

Dokumente der ZEIT

„Wir gehen jetzt in die Halbzeit der ersten Bundesregierung aus SPD und FDP, und es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen recht herzlich für die faire und verständnisvolle Zusammenarbeit in diesen beiden ersten Jahren zu danken.

Fernsehkritik als Ideologie

Man spricht von „Fernsehen als Ideologie“. Das ist nicht unberechtigt. Aber wie wäre es, wenn wir auch einmal von Fernseh-Kritik als Ideologie sprächen.

Nachruf auf Flipper

Was seine Beliebtheit betrifft, so hätte er leicht Präsident der Vereinigten Staaten, der Weltbank oder der UNO werden können: der Delphin Flipper, der nun zur Trauer von Millionen in die ewigen Gewässer fortgeschwommen ist, konnte es an Popularität mit manchem aufnehmen.

Heinrich Böll: Unveröffentlichte Gedichte

In unserer letzten Ausgabe hat der sowjetische Germanist Lew Kopelew Heinrich Bölls Gedichte analysiert. Da diese Gedichte auch in Deutschland noch nicht publiziert worden sind, stellen wir drei davon vor.

ZEITMOSAIK

Vom nächsten Jahr an wird eine Gruppe von fünf Ingenieuren und Kunsthistorikern sowie einem Photographen beginnen, charakteristische Industrieanlagen an Rhein und Ruhr zu „erfassen“ und die Dokumentation dann – zusammen mit dem Institut für Technik und Wirtschaft der Universität Bochum – wissenschaftlich auszuwerten.

Gegendarstellung der Kopak-Werke

In der ZEIT vom 9. Juli 1971 veröffentlichten wir eine Erzählung von Horst Schlötelburg, eine Satire auf die zum Selbstzweck gewordene Industrieproduktion, die sich mit der Herstellung eines Produkts namens Kopak-Pakote beschäftigte.

Kunstkalender

Das Haus der Kunst, ein kommerziell ausgerichtetes, auf Aktivität angewiesenes Unternehmen, brauchte auch heuer als Gegengewicht zum Gemischtwarenangebot der „Großen Münchener Kunstausstellung“ eine anspruchsvolle Publikumsattraktion – da drängte sich ein Hommage an den fünfundachtzigjährigen Kokoschka fast zwangsläufig auf.

KRITIK IN KÜRZE

„Der Held und sein Wetter – Ein Kunstmittel und sein ideologischer Gebrauch im Roman des bürgerlichen Realismus“, von F. C. Delius.

Ein Abgrund an Sicherheit

Noch immer haben Berichte aus dem „Schattenreich“ des seelisch kranken Menschen die Gesunden, die Allzu-Gesunden, fasziniert.

VON ZEIT-MITARBEITERN

Sybil Gräfin Schönfeldt: „Mutti, was soll ich lesen?“ – Das Buch in der Erziehung unserer Kinder. In dem Maße, in dem sich der Gedanke der Vorschulerziehung durchsetzt, in dem bejaht wird, daß Erziehungfähigkeit und -kapazität der Familie motiviert und gestärkt werden müssen, rückt die Kinderliteratur von einem Platz unter anderen Spielsachen an die erste Stelle der Medien, mit deren Hilfe Intelligenz und Kreativität des Kindes von Anfang an und gleichermaßen angeregt und gefördert werden können.

Ein jüdisches Märchen

„Der behexte Schneider“ von Scholem Alejchem – Erinnerung an eine verschwundene Welt

Die in der Mitte

Von eh und je und bei allen literarischen Anlassen ist es nie anders gewesen, daß Arbeiter ein Bewußtsein haben und Angestellte eine Mentalität.

Fernsehen: Wozu brüllen?

Helmut Qualtinger in „Geschäfte mit Plückhahn“, einem Traktat über das Thema „Liebe ist auf Geldverhältnisse zurückzuführen, Rührung erregt allein der Profit“: Er läuft nicht, hastet nicht, kriecht nicht, er geht seinen Gang, die Arme in der Art eines Menschenaffen nach vorn geführt, den Schädel gesenkt, den Kopf zu einer Funktion des Nackens, den Nacken zu einer Funktion der Schultern gemacht, so geht er wie ein großes schwarzes Tier, lauernd, mißtrauisch, heimtückisch, profitgeil, gedemütigt, ein kleinbürgerlicher Händler, der alle Zwänge dieser Welt verinnerlicht hat, macht immer die gleichen Bewegungen – aber dies in einer Art, daß das Schlendern zugleich das Sichabjagen verdeutlicht und das Kriechen im gemessenen Gang enthalten ist.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Siegfrieds Tod (Die Nibelungen I)“ (Deutschland 1923), von Fritz Lang (West III am 23. Juli). Man wird den beiden Nibelungenfilmen von Lang (den zweiten, „Kriemhilds Rache“, zeigt West III am 30.

SCHALLPLATTEN

Felix Mendelssohn-Bartholdy: „Die erste Walpurgisnacht, op. 60“ und „Die Heimkehr aus der Fremde, Ouvertüre op..............

Ideologie schafft keine Wohnungen

Der viele Wind, den linke Sektierergruppen bei ihrem Kampf gegen „das kapitalistische System“ erzeugen, wird wohl kaum zum Sturm werden.

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