Industrie und Haushalte müssen tiefer in die Tasche greifen. Neben Lohn- und Materialkostensteigerung droht eine Anhebung der Energiepreise.

Es ist eine illustre Runde, die innerhalb weniger Wochen eine Verteuerung des elektrischen Stroms annoncierte: Deutschlands größter Stromerzeuger RWE, gefolgt von VEW, dem Zweiten in der Rangliste, sowie Preußenelektra, Veba, Schwäbische Energie – Versorgung und andere mehr.

Es fehlt in dieser Liste kaum ein renommierter Name. Dabei ist es gleichgültig, ob die Versorgungsunternehmen den Strom aus der kostengünstigen Braunkohle gewinnen, wie beim RWE, oder teilweise aus Erdgas, selbst wenn es, wie bei VEW, nicht an die steigenden Preise des Heizöls gebunden ist.

Die kommenden Preiserhöhungen werden alle treffen, Haushalte, Abnehmer in Industrie, Handel und Gewerbe. Ihr Ausmaß schwankt zwischen fünf und zehn Prozent.

Ist es wirklich notwendig, daß nun auch noch die Strompreise, die lange Jahre stabil waren, den verhängnisvollen Trend nach oben mitmachen? Die Vereinigung der industriellen Kraftwirtschaft, ein Zusammenschluß der Großverbraucher aus der Industrie, war noch im Herbst des vergangenen Jahres anderer Meinung. In ihrem Jahresbericht schrieb sie unter Hinweis darauf, daß einzelne Versorgungsunternehmen nicht von der umstrittenen einseitigen Angleichung an gestiegene Kohle- oder Lohnkosten Gebrauch gemacht hatten: „Dies läßt den Schluß zu, daß die Strompreise bereits vor der Preissteigerung im Kostengüterbereich überhöht waren und zum Teil auch heute noch überhöht sind.“

Auch die Bundesregierung war mit dem Verhalten der Energieerzeuger nicht einverstanden. Über eine neue „Bundestarifordnung Elektrizität“ möchte sie den Wettbewerb zwischen den einzelnen Stromerzeugern verstärken, die heute herrschen wie die Duodezfürsten vergangener Zeiten.

Zu dieser wenig freundlichen Betrachtung mag auch die Verzögerung beim Bau von Atomkraftwerken beigetragen haben. Atomstrom wird in wirklich relevanten Mengen erst fünf bis sechs Jahre später angeboten werden, als ursprünglich angenommen wurde. Aber selbst wenn der Zeitplan der Atomenergienutzung eingehalten worden wäre, hätte sich wohl kaum etwas ändern können, denn die wenigen bereits arbeitenden und die vielen in der Planung oder im Bau befindlichen nuklearen Kraftwerke werden in der Regel von denselben Unternehmen betrieben, die heute bereits die Besitzer der konventionellen Kraftwerke sind.