In Bremen hat das erste deutsche Düsenverkehrsflugzeug – die VFW 614 – erfolgreich seinen Erstflug absolviert – um schließlich, so ist zu befürchten, im Museum der deutschen Luftfahrt zu landen. Acht Jahre dauerte das Tauziehen zwischen den Bremer Flugzeugbauern und der Bundesregierung um die Finanzierung dieses Flugzeuges, bis es endlich an den Start rollen konnte. Nun droht der endgültige Absturz.

Es geht um 100 Millionen Mark, die die Bundesregierung nachschießen müßte – als Darlehen, das beim Verkaufserfolg zurückgezahlt werden muß. Und vom Erfolg des Kurzstreckenflugzeugs sind inzwischen auch die ursprünglich skeptischen Holländer bei Fokker überzeugt, mit denen die Bremer vor zwei Jahren fusionierten.

Macht die Bundesregierung nun nicht mehr mit, so muß sie jedoch 230 Millionen Mark in den Schornstein schreiben, die sie bisher schon als Erfolgsdarlehen für das Projekt aufgewendet hat – und durch Flugzeugverkäufe zurückbekommen würde. Aber konsequentes Planen ist eben nicht Bonns stärkste Seite. Schließlich hat das Verteidigungsministerium auch zwei Milliarden Mark für die Entwicklung von senkrecht startenden Flugzeugen ausgegeben, die heute im Museum stehen, während die britische Luftwaffe solche Flugzeuge taktisch nutzt. hm

Arbeitskräften in der Bundesrepublik auszunutzen. So vermittelt sie vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe Gastarbeiter an westdeutsche Unternehmen. Der Verfassungsschutz: „Die CSSR-Außenhandelsorganisationen schließen, teilweise unter Einschaltung deutscher Dachorganisationen, mit Beauftragten deutscher gastronomischer Unternehmen Arbeitsverträge ab. In gesonderten Verträgen mit der ČSSR-Außenhandelsorganisation verpflichten sich die Gastarbeiter, einen Teil (meist zehn Prozent) ihres Verdienstes in deutscher Währung an die Organisation abzuführen.“

Die Gastarbeiter bieten ein breites Betätigungsfeld für östliche Spione. Unter den ausländischen Arbeitern sind dem Verfassungsschutz zufolge „bewährte Spitzel der ČSSR-Nachrichtendienste“, wobei der Verdacht begründet scheint, daß „diese Personen auch in der Bundesrepublik nachrichtendienstliche Aufgaben erfüllen“.

Einen überaus glücklichen Fang konnte die westdeutsche Abwehr am 11. April vergangenen Jahres verbuchen: Beamte der Sicherungsgruppe des Bundeskriminalamtes nahmen am Autobahn-Grenzübergang Elten den Polen Wladyslaw Pieterwas vorläufig fest, als er gerade von einem „Treff“ mit einem deutschen Agenten aus Arnheim in Holland zurückkam. Pieterwas war Beauftragter der polnischen Binnenschiffahrt für die Bundesrepublik und die Benelux-Länder. Er genoß in Westdeutschland jedoch keinen exterritorialen Status und konnte festgenommen werden. In seinem Wagen wurde eine Öldose mit umfassendem Spionagematerial gefunden.

Erstaunt vermerkten die Kölner Verfassungsschützer: „Mit Pieterwas, der inzwischen die Bundesrepublik verlassen hat, wurde erstmals ein hauptamtlicher Mitarbeiter des polnischen Nachrichtendienstes gefaßt, der ohne Absicherung durch diplomatischen Status seiner Spionagetätigkeit in der Bundesrepublik nachging.“ Ein Verfassungshüter witzelte: „Die werden immer frecher.“ Ingo Hertel